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Unternehmer und Marktdynamik

Unternehmer und Marktdynamik: Israel M. Kirzner
Preis 32,00 € Vergriffen
Zustand Neu
Autor(en) Israel M. Kirzner Verlag Philosophia Verlag GmbH
Sachgebiet(e) Österreichische Schule ISBN
1988, Gebunden mit Schutzumschlag

Israel M. Kirzner ist neben Murray N. Rothbard der wohl bedeutendste Schüler, der aus Ludwig von Mises' Lehrtätigkeit als Visiting Professor an der Graduate School of Business der New York University hervorgegangen ist. Während Murray Rothbard, neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftswissenschaftler, auch immer als Aktivist für den Libertarismus in Erscheinung trat, hat sich Israel Kirzner auf die ökonomische Theorie konzentriert. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum seine Leistungen selbst bei Anhängern der Österreichischen Schule nie die Anerkennung und Würdigung fanden, die sie eigentlich verdient hätten.

Mit dem Buch "Unternehmer und Marktdynamik" aus der Reihe "The International Carl Menger Library" liegt glücklicherweise eines seiner wichtigsten Werke in deutscher Sprache vor. Mit Hilfe des vorgestellten theoretischen Instrumentariums baut er seine Analyse der Marktprozesse auf.

Wie alle Vertreter der österreichischen Schule, verwirft Kirzner das Gleichgewichtsmodell der Neoklassik. In seinem Modell ist der Unternehmer die treibende dynamische Kraft wirtschaftlicher Veränderung bzw. der Marktdynamik. Diese Beschreibung mag zunächst an den Schumpeter'schen schöpferischen Zerstörer erinnern. Doch es ist eher das Gegenteil der Fall.

Der Unternehmer bei Kirzner ist weniger ein Schöpfer als ein nach Möglichkeiten (opportunities) Suchender. Kirzner prägt hier den Begriff der Wachsamkeit (Alertness) hinsichtlich der Wahrnehmung von Profitmöglichkeiten. Diese Wachsamkeit es, die den Unternehmer vom Nicht-Unternehmer unterscheidet. Indem der Unternehmer auf der Suche nach Möglichkeited Chancen wahrnimmt, die andere nicht finden oder für andere nicht offensichtlich sind, verändert er wiederum den Markt.

Gerade auch Spekulanten und Arbitrageure, und hier hat das Buch "Unternehmer und Marktdynamik" einen sehr aktuellen Bezug, gehören zu jenen Trüffelschweinen der Marktwirtschaft. Ihre wichtige Funktion besteht darin, daß sie Preisunterschiede entdecken, sie profitabel ausschlachten, und durch diese Handlungsweise zu einer Preisnivellierung beitragen. Im Verlauf dieses dynamischen Prozessen entstehen an anderen Marktbereichen wieder neue Möglichkeiten und Preisdifferenziale. Der Unternehmer ist also einerseits ein Marktnivellierer, gleichzeitig aber wiederum der Unruhestifter, der neue Spekulations- und Arbitragemöglichkeiten schafft.

Kirzner leistet mit "Unternehmer und Marktdynamik" einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der Unternehmerfunktion. Es ist etwas verwunderlich, daß ausgerechnet die Österreichische Schule die Funktion des Unternehmers über jahrzehnte etwas stiefmütterlich behandelt hat. Mit Ausnahme Kirzners und einiger weniger anderer.

Kirzner gibt dem "Unternehmer und Marktdynamik" dem ökonomisch interessierten ein grundlegendes Instrumentarium zur Beschreibung wirtschaftlicher Prozesse an die Hand.

Spekulanten und Arbitrageure sind eben gerade keine schädlichen Auswüchse des Kapitalismus, sondern Zeichen für eine funktionierende Wirtschaft.

Michael Kastner

Aus dem Inhalt:

  • Gleichgewicht kontra Marktprozeß
  • Hayek: Wissen und Marktprozesse
  • Die klassische Ökonomie und die unternehmerische Rolle
  • Die unternehmerische Rolle in Mengers System
  • Ludwig von Mises und die Kapital- und Zinstheorie
  • Kapital, Konkurrenz und Kapitalismus
  • Unternehmertum und der Marktansatz in der Entwicklungstheorie
  • Wirtschaftstheorie und Irrtum
  • Wissen um das Wissen: Eine subjektivistische Betrachtung der Rolle der Information
  • Findigkeit, Glück und unternehmerischer Gewinn
  • Produzent, Unternehmer und das Recht auf Eigentum
  • Unternehmertum, Anrechte und wirtschaftliche Gerechtigkeit
  • Unternehmertum, Wahl und Freiheit
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Rezensionen
Unternehmerische Funktion Hubert Milz 09.02.10

Israel Meir Kirzner war Schüler von Ludwig von Mises und regelmäßiger Teilnehmer am Mises-Seminar in New York. Er ist emeritierter Professor der Ökonomie an der New York University.
Prof. Kirzner ist ein führender Theoretiker der der "österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre", daraus folgt, dass sein Verständnis des Marktprozesses sich wesentlich von den Ansichten des sog. 'ökonomischen Mainstreams' - der neoklassischen Synthese - unterscheidet.
Für Prof. Kirzner ist der abstrakte Formalismus der Neoklassik, basierend auf perfekter Voraussicht und vollkommenem Wissen, nicht nur realitätsfern, sondern das Marktkonzept der vollkommenen Konkurrenz im Zustand eines allgemeinen Gleichgewichts ist für Prof. Kirzner auch problematisch.
Prof. Kirzners Marktkonzept geht von Menschen mit beschränktem Wissen und Voraussicht aus, Menschen, die auch Opfer von falschen Entscheidungen werden.
In diesem Buch knüpft Prof. Kirzner an sein Buch "Wettbewerb und Unternehmertum" von 1973 (deutsch 1978) an. Prof. Kirzner entwickelt die Konzeption der unternehmerischen Dynamik mit ihren Konsequenzen für den Marktprozess weiter:
- Im 1. Teil des Buches grenzt Prof. Kirzner Marktprozess und Wissen ab von der Gleichgewichtstheorie. Dabei verarbeitet er viele Aspekte der Ausführungen Friedrich August von Hayeks zur Beschränktheit des Wissens und der Informationen, die dem einzelnen Menschen nur unvollkommen zur Verfügung stehen.
- Im 2. Teil gibt Prof. Kirzner einen ideengeschichtlichen Überblick zur Rolle des Unternehmers. Die Sicht der ökonomischen Klassik bezüglich Unternehmer wird aufgezeigt. Abschließend behandelt Prof. Kirzner die Rolle, welche die großen 'Vertreter der österreichischen Schule' (Carl Menger und Ludwig von Mises) dem Unternehmertum zugewiesen hatten.
- Im 3. Teil und 4. Teil des Buches entwickelt Prof. Kirzner sein dynamisches Unternehmerkonzept weiter. Es zeigt auf, dass jeder unternehmerische Akt soziale Ungleichgewichte berührt. Ein Unternehmer entdeckt eine Chance die Gewinn versprechend ist, dadurch dass er diese Chance nutzt kommt die Information in den Markt, wird dort koordiniert und eliminiert irgendein Ungleichgewicht. Diese neue Information schafft nun wieder neues Wissen, neue Informationen werden geschaffen und übermittelt. Die alten Pläne über Ziele, Wege und Mittel der Unternehmung werden laufend auf die neuen Informationen angepasst.
Der einmal in Gang gesetzte Prozess kann nicht zum Stillstand kommen, die Möglichkeiten sind für den handelnden Menschen nie ausgeschöpft; denn durch die Handlungen entstehen neue zahllose Ungleichgewichte an den Märkten, welche wiederum weitere unternehmerische Gewinnchancen bieten. Die Entwicklung schafft ständig neue Chancen, neue Ziele, neues Wissen. Und dieses Wissen verbreitet sich kontinuierlich über die gesamte Gesellschaft und verbessert die materielle Versorgung der Gesellschaft.
Dies ist für Prof. Kirzner nur möglich in einer freien Gesellschaft, mit Recht auf Privateigentum, über welches der Eigentümer unbeschränkt verfügen kann. Und der Eigentums-Unternehmer, der findig und risikobereit ist, fungiert sozusagen als Motor bei der Entwicklung zur materiellen Besserstellung der Gesamtgesellschaft.

Das Buch ist sehr empfehlenswert, Prof. Kirzner beschreibt sehr anregend, wie die unternehmerische Funktion die Marktprozesse treibt. Jedem Leser, der etwas über das unternehmerische Handeln wissen will, sei dieses Buch ans Herz gelegt.