Buchausgabe
Info Kontakt Impressum Suche Warenkorb
buchausgabe.de - Bücher für den Liberalismus

Neoliberale Staatsverständnisse im Vergleich

Neoliberale Staatsverständnisse im Vergleich: Stefan Kolev
Preis 38,00 € In den Warenkorb » Cart
Zustand Neu Versandfertig in ca. 2 bis 4 Werktagen
Autor(en) Stefan Kolev Verlag Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH
Sachgebiet(e) Liberalismus ISBN 978-3-8282-0584-0
2013, 320 Seiten, Festeinband/Hardcover

Marktwirtschaftliche Reformpolitik Bd. 14 (Hrsg. Hasse/Starbatty)

Der Neoliberalismus ist in aller Munde. Alles Krisenhafte in der globalen Ökonomie wird  ihm gerne angelastet. Zu Recht?

Das vorliegende Buch unternimmt den Versuch, die Gründergeneration der Neoliberalen daraufhin zu untersuchen, welche Rolle sie dem Staat zuweisen. Es werden vier herausragende Neoliberale der ersten Stunde ausgewählt: Walter Eucken, Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Wilhelm Röpke. Ihre Staatsverständnisse werden in drei Vergleichen zueinander in Beziehung gesetzt und um ihr jeweiliges Gravitationszentrum aufgebaut. Die Analyse verläuft auf zwei Ebenen: Zunächst werden abstrakte Leitbilder für die Rolle des Staates herausgearbeitet, anschließend werden diese auf die konkrete Wirtschaftspolitik projiziert.

Ziel der Studie ist es, einen strukturierten Zugang zu den vier Denkern herzustellen und sie mit der Vielfalt und dem Wandel in ihren Denkmustern dem Leser zu präsentieren. So soll ein Beitrag zur Entmystifizierung des Neoliberalismus und seiner Protagonisten geleistet werden, damit der gegenwärtige Krisendiskurs von ihren Ideen profitieren kann.

Quelle: Lucius Verlag

» Zu diesem Buch eine Rezension schreiben «
Rezensionen
Die Liberalen und der Staat Hubert Milz 23.06.13

In den Werken der neoliberalen Autoren findet man bezüglich "Staat" vielfach sehr unterschiedliche und sich augenscheinlich fundamental widersprechende Vorstellungen zur Rolle des Staates.

Prof. Kolev ist diesen unterschiedlichen Vorstellungen in seiner Dissertation nachgegangen und hat die unterschiedlichen Staatsverständnisse im Neoliberalismus anhand der Werke von vier bekannten und einflussreichen Neoliberalen des deutschsprachigen Sprachkreises herausgearbeitet.

Dies sind die Autoren: Walter Eucken, Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Wilhelm Röpke, also Autoren aus dem Umfeld "Ordoliberalismus" und "Österreichische Schule der Nationalökonomie".

Um die Gründe der unterschiedlichen Staatsauffassungen jener Autoren analytisch darzulegen, arbeitet Prof. Kolev zunächst heraus, welches die Hauptpositionen im Werk jener Autoren sind. Prof. Kolev zeigt, um welches theoretische "Gravitationszentrum" das jeweilige Gesamtwerk des Forschers kreist.

Diese Gravitationszentren sind gem. Prof. Kolev wie folgt zu verorten:

- Bei Walter Eucken handelt es sich um "Macht und Entmachtung", und zwar bezüglich der politischen und der privaten Machtkonzentration.

- Bei Friedrich August von Hayek stehen das "Wissen und die Wissensteilung" innerhalb der Gesellschaft im Fokus seiner Forschungen. Was ist die evolutorische Wirkung von Wissen und Wissensteilung?

- Im Werk von Ludwig von Mises liegt der Schwerpunkt bei der "Handlungsautonomie der Individuen".

- Der Schwerpunkt im Werk von Wilhelm Röpke liegt auf den "kleinen, übersichtlichen Gruppen", wie deren Regeln und deren Zusammenhalt die Keimzelle für Wirtschaft und Gesellschaft bilden.

Bei der Analyse der Werke jener Autoren – stets mit Blick auf das für den jeweiligen Autor herausgearbeitete Gravitationszentrum – kommt Prof. Kolev schließlich zu folgenden Resultaten:

- Einig sind sich die vier Autoren bezüglich der staatlichen Wirtschaftspolitik, diese hat unbedingt und notwendig eine regelbasierte Wirtschaftspolitik zu sein. Der diskretionären Wirtschaftspolitik (= eine am Einzelfall orientierte Wirtschaftspolitik) wird von allen vier Autoren eine grundsätzliche Absage erteilt. Der Staat hat sich darauf zu beschränken den wirtschaftspolitischen Rechtsrahmen festzulegen.

- Bei Walter Eucken, Friedrich August von Hayek und Wilhelm Röpke hat der Staat auch ordnungspolitisch einen Platz in der Wirtschaftspolitik. Die drei Autoren weisen dem Staat – jeweils im Rahmen ihrer eigenen ordnungstheoretischen Leitlinien – den Platz desjenigen zu, der die Spielregeln festzulegen hat, und die privaten Wirtschafts- und Gesellschaftsakteure handeln aufgrund dieser Spielregeln selbständig, eigengesetzlich und unabhängig.

Mises hingen verdrängt die staatliche Politik auch weitgehend aus der Ordnungspolitik, bei Mises ist der Staat auf wenige Aufgaben beschränkt – es ist tatsächlich ein Minimalstaat.
Einer aktiven staatlichen Prozesspolitik, also der Staat als Mitspieler im Wirtschaftsprozess, stehen alle vier Autoren ablehnend gegenüber. Der Staat soll im laufenden Prozess nicht mitspielen und die Regeln nicht zu seinen Gunsten ändern. Spielzüge der Privaten sind im laufenden Spiel für Eucken, von Hayek und Röpke nur in begründeten Ausnamesituationen zu unterbinden. Diese Ausnahmen sieht jeder der drei Autoren, begründet durch die unterschiedlichen Gravitationszentren, anders.

Prof. Kolev zeichnet nach, dass im Werk der vier Autoren zwar Schnittmengen und Gemeinsamkeiten bezüglich der Rolle des Staates vorhanden sind, aber Prof. Kolev zeigt auch, dass es trotz solcher Überlappungen wegen der Vielfalt der Ansichten und Vorschläge zum Rollenverhalten des Staates ein einheitliches Staatsbild nicht gibt – den neoliberalen Staat gibt es nicht. Stattdessen kann man – so Prof. Kolev – vier Leitbilder bezüglich "Was ist Staat?" und "Was soll Staat?" sein herausarbeiten:

- Der "Staat als Schiedsrichter" bei Walter Eucken.

- Der "Staat als Gärtner eines englischen Gartens" bei Friedrich August von Hayek. Die Regeln zum Kultivieren werden gesetzt, trotzdem entwickelt sich der Garten spontan.

- Ludwig von Mises sieht den "Staat als reinen Nachtwächter", wobei Mises ganz bewusst den abwertenden Ausdruck Nachtwächterstaat von Ferdinand Lassalle übernimmt.

- Bei Wilhelm Röpke schließlich ist der "Staat eine Art Statiker", der die soziologischen und moralischen Fundamente einer guten und freien Bürgergesellschaft stetig inspizieren, ausbessern und renovieren soll.

Ich denke, dass Prof. Kolev mit seiner Dissertation eine gute Arbeit gelungen ist, die eben auch zeigt, welches reichhaltige und vielfältige Erbe im deutschsprachigen Neoliberalismus vorhanden ist.