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Miriamslied

Miriamslied: Stefan Blankertz
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Autor(en) Stefan Blankertz Verlag BOD Books on Demand
Sachgebiet(e) Romane ISBN 978-3-7386-3830-1
2012, 272 Seiten, Broschur

Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage.

»Der Kult um Kordulas Mutter Miriam hatte den Rattenvölkern in der Zeit jener zermürbenden Auseinandersetzungen mit den Menschen Halt gegeben. Wie aber ist der Mythos entstanden? Was ist vor rund einem halben Jahrhundert in Kordulas Jugend wirklich geschehen?
Um auf diese Fragen Antworten zu erhalten, müssen wir uns zunächst in das Jenseits begeben, weil wir dort miterleben können, wie dem grausamen Hunnenfürsten Attila und der heiligen Prinzessin Ursula eine neuerliche Bewährungsprobe im Diesseits auferlegt wird. Das Schicksal von Miriam und ihrer Tochter Kordula ist nämlich eng verbunden mit der unerwarteten Wiederkunft dieser beiden legendären Gestalten aus den alten Zeiten, in denen das Wissen um die Bedeutung des Über- beziehungsweise Unterirdischen für die Menschen noch lebendig war.«
Mit schwarzem Humor und düsterer Erotik wird in diesem phantastischen Roman der Entstehung einer Religion nachgegangen, die aus der Liebe zwischen einer sprechenden Ratte und einem denkenden Computer wächst.

Quelle: BOD

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Rezensionen
Irjendwie sin mer Jefangene artemidor 24.09.08

Stefan Blankertz neues Buch „Miriamslied“ (edition Textausgabe, 2008, 251 S.) ist sein bisher komplexester Roman. Seine Kategorisierung würde hier schwerfallen, hat man es doch mit inzestuösen Erzbischöfen, als Computerwesen wiederauferstandenen Eroberern, neuen Religionen, Kämpfen zwischen Ratten, Robotern, Menschen und ihren Mischformen und mit vielen weiteren Absonderlichkeiten zu tun. Dem Autor muß beim Schreiben des Romans viel Spaß gehabt haben, auch wenn der nichtsahnende Leser manchmal einen Satz zweimal liest, um dann überrascht oder erbost festzustellen, daß er tatsächlich so dastand, wie er ihn gelesen hat.

Der Struktur nach erinnert der Roman an mittelalterliche Fastenspiele oder an einen völligen verdrehten Hexensabbat aus Faust („vom Himmel durch die Welt zur Hölle“): Attila hatte vor 15 Jahrhunderten die Hl. Ursula samt 11.000 sie begleitenden Jungfrauen umgebracht. Dafür kam Attila in die Hölle, die Hl. Ursula aber in den Himmel. 1500 Jahre später haben sich alle monotheistischen Religionen im Jenseits zusammengeschlossen, um Front gegen die „terroristischen“ polytheistischen Religionen zu machen. Wie bei jedem Unternehmens-zusammenschluß wurde danach Personal eingespart, und so müssen jetzt Engel in der Hölle oder Hilfsteufel als „Bewährungshelfer“ im Himmel Einsatz tun. Der Fall Attila-Ursula soll jetzt noch einmal aufgerollt werden, weil nicht klar ist, ob der Selbstmord der Hl. Ursula zur Bewahrung ihrer Jungfräulichkeit und ihres Ehegelöbnisses tatsächlich eine heiligmäßige Handlung gewesen ist. Dafür werden beide noch einmal auf die Erde geschickt, damit deutlicher wird, ob die Einweisung in den Himmel oder die Hölle richtig gewesen ist. Als Bewährungshelfer sollen ihnen beistehen: Miriam, der in die Hölle abgeordnete Hilfsengel, der „Gottesgeißel“ Attila und der temporär im Himmel diensttuende Hilfsteufel Lufred der Hl. Ursula

Was auf der Erde folgt, ist nicht minder merkwürdig. Im wesentlichen ist es ein Kammerspiel von dem, was sich in zwei Tagen zwischen sechs – na ja, „Personen“ ereignet: Miriam ist jetzt eine Biologin, die Rattenexperimente durchführt. Sie ist ledig; vor 18 Jahren jedoch war sie verheiratet und außerdem die Geliebte ihres Onkels Lufred, der Erzbischof mit einer Vorliebe für Luxusautos und Pfeifenrauchen ist. Aus dieser Liaison ist Kordula hervorgegangen, ein Mädchen mit Rattenkopf (diese neue Rasse wird „Mette“ genannt, aus Mensch und Ratte zusammengesetzt). Lufred hat Kordula fast 18 Jahre lang im Keller des Bischofspalastes versteckt; die Beschreibung ihrer Behausung erinnert nicht von ungefähr an den Fall Kampusch. Lufred verspürt den Drang, Kordula Miriam zu zeigen, die ihre Tochter seit ihrer Geburt nicht gesehen hat. Begleitet werden sie von Kordulas Freundin, einer Ratte namens Miriam (übrigens verfügen Ratten über die Fähigkeiten der Telekinese und Telepathie). Attila ist als Computerwesen auf die Erde gekommen, er erstreckt sich über das ganze Internet und kann sich aller Informationen darin und der Computer als Endstellen bedienen. Er sieht und spricht mit den Menschen, ist aber in den Computern gefangen und kann in der Welt keine Wirkung entfalten. Daher sucht er einen Weg, Roboter zu bauen, die mit Rattenhirnen ausgestattet werden (die sogenannten „Rotten“, zusammengezogen aus Roboter-Ratten) und die verhindern sollen, daß Computer ausgeschaltet werden, was sein Verschwinden zur Folge hätte. Hierzu soll ihm Miriam helfen, die selber schon einmal derartige Experimente mit Computern und Rattenhirnen gemacht hat und sogenannte „Cotten“ geschaffen hatte.

Hinzu kommt, daß eine neue Seuche grassiert, die sogenannte „schnelle Pest“, die den durch einen Rattenbiß Infizierten unweigerlich innerhalb von 24 Stunden umbringt. Da bekommt Miriam in ihrem Labor Besuch von ihrem Ex-Ehemann Siegfried, der im Gesundheitsamt arbeitet und gerne der nächste Oberbürgermeister werden möchte, um sie dazu zu überreden, ihr Labor von den städtischen Stellen überprüfen zu lassen. Diese Personen treffen nun alle in Miriams Labor zusammen, und wie auch im wirklichen Leben stolpern alle (mit Ausnahme Attilas) durch die Geschichte, die später Geschichte sein wird, ohne sich der Situation oder ihrer Rollen darin klar zu werden. Die Polizei glaubt, die anderen Personen im Labor hätten Siegfried zur Geisel genommen, um die Überprüfung des Labors zu verhindern. Ein lebensmüder Kommissar tritt als Unterhändler auf, auch ein Fernsehteam kommt in das Labor, ohne daß die Fronten klarer werden. Mittlerweile berichten draußen alle Medien von der „schnellen Pest“, dem weltweiten Computervirus, hinter dem sich Attila verbirgt, und der Geiselnahme. Irgendwann kommt es zu einer Art Showdown … Aber damit ist nichts zu Ende; ca. 50 Jahre später haben Ratten, Menschen, Rotten und Metten seit langem Frieden geschlossen. Die Ratten können seit Miriams Tod sprechen, Miriam ist nachträglich (und ironischerweise) zur Heiligen verklärt worden und mit Kordula, ihrer Tochter, als Hohepriesterin des Kults, findet eine Kultveranstaltung statt, wie sie in der Literatur nicht ihresgleichen hat.

Was das Ganze bedeutet? Vielleicht würde der Autor sagen, dass er das selber auch nicht weiß. Daher muß der Kritiker sich zunächst überlegen, ob der Autor eine Verpflichtung hat, das, was er erzählt, zu bewerten. Zumindest steht fest, dass er der Erzähler ist und damit für die Auswahl dessen, was er erzählt, verantwortlich ist. Mit diesem Vorbehalt scheint das Buch zu zeigen, dass viele verschiedene Lebewesen, die der Natur nach nur wenig mit dem homo sapiens zu tun haben, miteinander in Beziehung treten können. Da der Autor langjähriger Libertärer (und „Deutschlands dienstältester Anarchist“) ist, spielt er damit auch Modelle von Kooperationen und konkurrierenden Ansprüche durch, die in unterschiedliche Moralitäten und Rechtssysteme münden können. Diese sind emergente Strukturen in einer Situation, die a priori rechtsfrei (niemand kann sich auf ein „Menschenrecht“ berufen) sind und immer die Option der Gewalt offen lassen. Die Wertungen von Gut und Böse sind damit nur noch lokal gültig; so bilden sich auch im Jenseits im Wettbewerb der Religionen untereinander kartellartige Strukturen heraus, mit der sich zum Beispiel monotheistische von polytheistischen Religionen abzugrenzen versuchen und man dabei im Rat der monotheistischen Jenseitsunion sogar auf die (ungeliebte) Mitarbeit von L. Ron Hubbard angewiesen ist.

Ausfluß dieser Haltung ist auch, dass Stefan Blankertz vielen seiner Geschöpfe eigene Dialekte, Diktionen oder Grammatiken gibt. So spricht Attila (als Computer) in einer Syntax, die dem Chinesischen nachempfunden ist, die Ratten verwenden entsprechend der Bedeutung ihrer Sinnesorgane überwiegend Verben des Riechens und Hörens statt des Sehens, die heilige Ursula spricht Kanakisch („Hey Alde, was geht? Konkret krass“ etc.) und Siegfried ist ein Münsteraner, der versucht Kölsch zu sprechen. [Von ihm lernt man so Dialektbegriffe wie „kneistern“ (feststellen), „Tiftel“ (Kirche), „Seeger“ bzw. „Tütenüggel“ (Blödmann)]. Diese durchgehaltenen Charakteristiken dienen für mehr, als nur den einzelnen Personen ihre Wiedererkennbarkeit zu sichern (wie das formelhafte „... wenn ich mich nicht irre“ Sam Hawkins’). Sie stellen wirklich Umwelten im Sinne von J. Uexküll dar, sie beschreiben den Erlebensraum des der einzelnen handelnden Personen. Diese Räume unterscheiden, aber überschneiden sich, so daß es eine Verständigung gibt, die zu richtigem Verständnis (und sogar zur Liebe, wie bei Kordula und Hans) führt.

Insgesamt ein Roman, der einen nicht auf dem Boden lässt, sondern einem ungewohnte Höhenflüge abverlangt, aber auch ungeahnte Aussichten verschafft.

Sein oder Bewusstsein? Karin Meyer-Umstaedt 05.06.08

»Wess’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing’«, dieser Grundsatz des zynischen Materialismus, über den sich die bürgerliche Moral entsetzt, weil sie gegen dessen Ursache nichts auszurichten vermag, wird in Stefan Blankertz neuem Roman mit dem bezeichnenden Titel »Miriamslied« als rasante Melodie auf das dialektische Verhältnis von Sein und Bewusstsein variiert. Die konfliktreiche Bezogenheit von Sein und Bewusstsein spiegelt sich ebenso in den Handlungen des Romans selbst wie, auf eine sehr subtile Weise, im Verhältnis des Textes zu den LeserInnen.
Der Roman beginnt mit einer gespenstischen religiösen Zeremonie, abgehalten von sprechenden Ratten, Robotern mit Rattenhirnen und Menschen mit Rattenköpfen im Kölner Dom. Der Ton des im Präsenz vorgetragenen Berichts ist reportagemäßig nüchtern: Es entsteht der Eindruck, dass es sich um ein eher selbstverständliches Ereignis handelt, das den Neuigkeitswert der Versammlung des örtlichen Kaninchenzüchtervereins hat. In der Zeremonie wird die Mutter der Hohepriesterin verehrt, die, wie indirekt zu erfahren ist, den Ratten die Stimme gegeben und die Mischwesen geschaffen hat.
Nun springen wir um 50 Jahre in die Vergangenheit, als die Hohepriesterin, die erste Mensch-Ratte, eine Jugendliche ist und ihre Mutter, von der sie seit der Geburt getrennt war, zum ersten Mal trifft. Über die zwischen diesem Ereignis – das Kapitel ist mit hintergründiger Ironie als »Familienglück« tituliert – und der anfänglichen Zeremonie liegenden Jahre wird wenig berichtet, nur dunkel angedeutet, es hätten »blutige Kämpfe« zwischen den Ratten und den Menschen stattgefunden. Obgleich wir als LeserInnen von dieser Zeit nichts Genaues erfahren, uns demzufolge die gleichsam materielle Grundlage fehlt, können wir uns aufgrund dessen, was wir dann erfahren, einiges denken: Unser Bewusstsein rekonstruiert das Sein, autonom aber doch nicht unabhängig vom Sein. Diese Dialektik von Sein und Bewusstsein ist das Konstruktionsprinzip von Blankertz’ außergewöhnlichen Roman.
Die Verehrung von Miriam, der Mutter der rattenköpfigen Frau, habe, so werden wir knapp informiert, den »Rattenvölkern« in den schweren Zeiten der Verfolgung »Halt« gegeben. Was wir dann jedoch über die tatsächlichen Vorgänge in der Jugend von Kordula, der rattenköpfigen Frau, erfahren, stimmt nun aber mit dem Halt gebenden Mythos nicht wirklich überein. Diese im Dienst der Ideologie stehende Differenz zwischen Sein und Bewusstsein zieht sich leitmotivisch durch den Roman bis in die feinsten Verästelungen: Die Figuren, deren Sprechen meist durch einen je eigenen Ideolekt gekennzeichnet ist, halten ihre inneren Dialoge im standardisierten Hochdeutsch. Es gibt eine bezeichnende Ausnahme: Ursula denkt und spricht in einem feministisch umgedeuteten, geradezu lächerlichen Kanakisch. Sie ist eine Ratte, die als Wiedergeborene der Heiligen Ursula das Prinzip des Guten, der Identität repräsentiert. Ihre Gutheit jedoch bleibt kraftlos. Die Ratten, die mit einem Biokampfstoff gegen ihre Ausrottung durch die Menschen kämpfen, lassen sich zum Frieden ebenso überreden wie die Menschen von dem Plan der Ausrottung abbringen. Was ihr bleibt, ist, den einen oder anderen erkranken Menschen zu heilen und um getötete Ratten zu trauern. Ihr Tun bleibt so folgenlos, dass sich die Frage, ob sie denn wenigstens wie ihr historisches Vorbild sich die Unschuld bewahrt habe, nicht zu entscheiden ist. Die Harmonie von Sein und Bewusstsein bedeutet Ohnmacht im Sein.
Der Kampf der Ratten ums Überleben, der die Zugänglichkeit für moralisierende Ideologie versperrt, hat seine Entsprechung in Attila, dem Geist des in einem Computer wiedergeborenen Peinigers der Heiligen Ursula. Auch diese hoch geistige Substanz muss sich um seine materielle Existenz Sorgen machen: Wenn der Strom abgestellt würde, würde er sterben. Im Gegensatz zu den Ratten, die aus Betroffenheit und Empörung mit planlosem Hass agieren, geht der Computer Attila jedoch systematisch vor. Allein mit instrumenteller Vernunft diszipliniert er die Ratten, um sie strategisch einsetzen zu können, arbeitet jedoch gleichzeitig daran, sie durch Roboter mit Rattenhirnen zu ersetzen. Im Verein mit Miriam, der frustrierten Wissenschaftlerin, die die Ideologie von der Wertfreiheit der Wissenschaft allzu ernst genommen und sich dadurch die Karriere ruiniert hat, ergibt eine mächtige Koalition sich, von der Kampfkraft zu erwarten ist, jedoch nicht die Schaffung einer besseren Welt.
Die Idee der besseren Welt ist eingesperrt. Kordula, Miriams rattenköpfige Tochter, lebt bis zu dem Zeitpunkt, da der Roman spielt, von der Welt abgeschirmt bei ihrem Vater im Keller auf. Kordulas Vater ist nicht nur Onkel ihrer Mutter, sondern auch Erzbischof von Köln. Um mit seiner grotesken Situation fertig zu werden, bekommt er starke Psychopharmaka von Miriam, seinem »Sündenfall«. Religion ist nicht mehr Opium fürs Volk, sondern nur noch für sich selbst. In einer witzigen Wendung des Buches erhält Attila, der sich in einer grausamen Maschinensprache ausdrückt, von der Ratte Ursula Opium in den Lüftungsventilator gespritzt und sprich danach wie ein normaler Mensch. Kordula lebt in ihrem Keller wie eine Rundumversorgte ohne materielle Ängste. Sie trifft nun scheinbar unverdorben auf die Welt, die sie bloß aus dem Fernsehen kennt, deren Bosheit sie jedoch nicht ernst nimmt, weil sie sie nicht am eigenen Leib erlebt hat. Die Utopie einer besseren Welt zerbricht in ihr, weil sie den Realitätstest nicht besteht: Kordula wird den Vater, der sie zwar in Unfreiheit hielt und ihr dennoch nichts versagte, zum Bösewicht stilisieren. Ihre Mutter Miriam, die sie weggegeben hat und die Ratten zu Forschungszwecken tötete, dagegen wird zur Schutzheiligen der Ratten und Mischwesen. Das Heiligtum des »Miriamismus« der Rattenvölker ist ein Tresor aus Miriams Labor: In ihm, so die Legende, sei das Böse eingesperrt – dabei handelt es sich, wie nur der Leser weiß, um eine eher harmlose Ursula-Reliquie. Das Böse ist eben nicht eingesperrt.
Eine andere Form des Eingesperrtseins erlebt Bernd, der Polizist. Um seine Familie zu ernähren, hat er seinen Traum, Künstler zu werden, aufgegeben. Aus diesem psychologischen Gefängnis versucht er auszubrechen, indem er all seine Hoffnungen in Kordula hinein projiziert. Die Szene, in der Bernd nach dem Tod des Erzbischofs in Kordulas Zimmer sitzt, über sein Leben reflektiert und beschließt, es fortan in Kordulas Dienst zu stellen, stellt für mich den schönsten Moment des Romans dar. Obwohl er Bernds Geschichte so wenig wie die der anderen weiter erzählt, lässt sich unschwer abschätzen, dass er in dem Lügengebäude, das Kordula errichtet, in erneute Gefangenschaft gerät wie Kordula selbst.
Unbeschadet bleibt nur Ben, der Vater von Miriam und Bruder des Erzbischofs. Er befindet sich als Wissenschaftler mit konformen Ansichten in Übereinstimmung mit den herrschenden Zuständen. Der einzige Stachel der Unwahrheit seines Lebens, den er fühlt, ist, dass er zur Aufrechterhaltung des individuellen Friedens mit der Gesellschaft die rebellische Tochter verraten musste. Der Tod von Ben deutet allerdings an, dass die Gesellschaft nichteinmal mehr die Enklave privatistischen Glücks für die Konformen bereit zu halten willens oder in der Lage ist. Dass das »Miriamslied«, dass von dieser Erkenntnis singt, in einer kleinen Privatauflage erscheint, ist nur konsequent: Die Kulturindustrie schätzt QuerdenkerInnen nur solange, wie sie ihr nicht auf die Schliche kommen.