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Macht und Wohlstand

Macht und Wohlstand: Mancur Olson

Kommunistischen und kapitalistischen Diktaturen entwachsen

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Autor(en) Mancur Olson Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen
Sachgebiet(e) Wirtschaftstheorie, Totalitarismus ISBN 978-3-16-148125-3
2003, 203 Seiten, Broschur

übersetzt von Gerd Fleischmann

"... Wer eine aufgeklärte Analyse des sowjetischen Wirtschaftssystems sucht, stößt hier auf eine wahre Goldgrube. Von der Steigerung der Sparquote und der Investitionen durch Konfiskation, der Ankurbelung der Arbeitsmotivation durch progressive Stücklöhne und leistungsabhängige Steuerdiskriminierung bis hin zur Einrichtung eines Systems gegenseitiger Kontrolle der Untergebenen - Olson verdeutlicht die ganze wohlüberlegte "brutale und listige Innovation" stalinistischer Wirtschaftspolitik ...."

Karen Horn in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. März 2003, S. 12

Quelle: Mohr Siebeck

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Rezensionen
Kraft und Ohnmacht Hubert Milz 19.07.13

Der 1998 verstorbene Ökonom Mancur Olson wurde in den 1990er Jahren immer wieder genannt als heißer Anwärter für den Wirtschafts-Nobelpreis. Dabei arbeitete Olson nicht als "Nur-Ökonom", sondern sein Werk ist – ähnlich wie bei den deutschen Ordo-Liberalen – interdisziplinär angelegt und tangiert maßgeblich auch Felder, welche die Soziologie, die Politologie und die Jurisprudenz betreffen. Durch seine Themenwahl in Kombination mit einer interdisziplinär ausgerichteter Arbeitsweise wurde Olson zu einem Vordenker im Rahmen der Institutionen-Ökonomik und des Konzeptes Good-Governance.

Seine drei Hauptwerke ("Logik kollektiven Handelns" - "Aufstieg und Niedergang von Nationen" - "Macht und Wohlstand") erschienen in den englischen Originalausgaben 1965, 1982 und posthum 2000.

In diesen drei Werken analysierte Olsons – jeweils aus unterschiedlicher Sichtweise – die Einflussnahme der kollektiven Organisation sozialer Interessen mit Blick auf deren Wirkung und Gefahren.

Insbesondere wurde in den ersten beiden Büchern dargelegt, wie organisierte Gruppen zu ihrem Vorteil und zum Schaden aller anderen

- die Vermachtung von Märkten betreiben,
- die staatliche Wirtschaftspolitik manipulieren.

In diesem Buch – "Macht und Wohlstand" – wendet sich Olson der Rolle des Staates (Regierungen/Staatsbeamte), der als eigenständig einzuschätzende Gruppierung sowohl treibende als auch hemmende Kraft bei der Entwicklung eines Landes sein kann.

In Anlehnung an Hobbes zeigt Olson anhand der Metapher von der Wandlung des "plündernden Banditen" in einen "stationären Banditen", wie Autokratien entstanden sein können. Der "plündernde Bandit" zieht durch das Land und führt sporadische Überfälle durch, der "stationäre Bandit" handelt rationaler und lässt sich zum Schutz der Bewohner im Lande nieder; dabei lässt er sich diesen Schutz durch Tributzahlungen (Steuern genannt) vergolden und versilbern. Solche "plündernde Banditen" können z. B. räuberische Nomadenstämme gewesen sein, die sich irgendwann in einem Gebiet niederließen und die Ureinwohner als "Schwertadelsklasse" beherrschten.

Aus dem "stationären Banditen" erwächst ein rationaler Autokrat, der bemüht ist wirtschaftliches Wachstum zu fördern, denn Wachstum lässt auch seine Steuereinnahmen sprudeln. Um seinen eigenen Nutzen zu maximieren sorgt er z. B.

- für den Schutz gegen andere, noch umherziehende "plündernde Banditen";
- für die Rechtssicherheit bei den privaten Verträgen zwischen den Bewohnern seines Herrschaftsgebietes.

Ruhe und Sicherheit sind nach Ansicht Olsons der Unsicherheit der Anarchie vorzuziehen, so dass die Bewohner ihre kreativen Fähigkeiten produktiv zum Wohle aller – eben auch des Autokraten – einbringen werden.

Daraus folgt, dass Olson den Autokratien die Möglichkeit zugesteht wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Für Olson können Autokratien jedoch nur temporäre Erfolge haben:

- Da die Rechtssicherheit nur zwischen den Bürgern besteht, zwischen den Bürgern und ihrem Herrscher dagegen nicht, weil der herrschende Autokrat jederzeit die Spielregeln zu seinem Vorteil ändern kann. Das Verhältnis der Bürger zur Herrschaft ist das der unsicheren Erwartungen, welche noch durch Nachfolgeprobleme (z. B. beim Tode des Autokraten) verschärft werden; wie wird der Nachfolger agieren?
- Der Autokrat wird die Gruppe, auf welche er sich stützt, um seine Macht zu erhalten, mit Privilegien (z. B. hohen arbeitslosen Renten) ausstatten. Privilegien, die diese Gruppe unter Wettbewerbsbedingungen nicht haben würde. Solche Privilegien gehen zu Lasten der Beherrschten und verzerren den Wettbewerb, führen nicht zu einer optimalen Verteilung und schaden der Produktivität. Auch glaubt Olson historisch belegen zu können, dass Autokraten sich eher verschulden werden und auch eher dazu neigen ihr Herrschaftsgebiet kriegerisch zu erweitern.

Diese Nachteile der Autokratie sind für Olson gleichzeitig die Vorteile der Liberal-Demokratie: In Liberal-Demokratien herrscht nicht nur ökonomischer Wettbewerb, sondern auch politischer Wettbewerb. Da die Herrschenden wiedergewählt werden wollen, ist in Liberal-Demokratien durch den Wettbewerb zwischen den politischen Gruppen mehr wirtschaftliche Stabilität gegeben, der Umgang mit den knappen Ressourcen ist effektiver, ebenfalls die Verwendung der Einnahmen des Staates.

Olson glaubt, dass diese Annahmen mittels des Analyse-Instrumentariums der Institutionenökonomie nachzuweisen sind, z. B. analysiert Olson mittels einer solchen Sichtweise das ehemals real existierende Modell des Sowjet-Imperiums. Dabei kommt er zu dem logisch zwingenden Ergebnis, dass ein solches System (Koordinationsprobleme, Diskriminierung, Brutalität, gegenseitige Überwachung etc.) immer scheitern wird.

Natürlich bestreitet Olson nicht, dass es ebenfalls in den Liberal-Demokratien die Tendenzen und Versuchungen zum "rent-seeking" gibt. Olsons Stoßrichtung ist ähnlich wie die etlicher deutscher Ordo-Liberaler: Ein starker Minimalstaat, der über den Interessen steht. Diesen starken Minimalstaat gilt es nach Olson mittels geeigneter Institutionen und Verfassungen zu stützen.

Fazit:
Unbestritten sind die Analysen von Mancur Olson in den drei Hauptwerken bestechend und einleuchtend. Es ist auch mit den Händen greifbar, was Olson umtreibt: Nämlich die Sorge, dass kleine, lautstarke, gut und schlagkräftig organisierte Interessengruppen zu Lasten des Gemeinwohls und der Freiheit den Staat der Liberal-Demokratie übernehmen und zersetzen können.

Nur denke ich, dass Mancur Olson die Gefahren unterschätzt, denen Liberal-Demokratien eben auch durch die sog. demokratischen Parteien ausgesetzt sind, denn die meisten real existierenden Liberal-Demokratien sind in einer Art und Weise organsiert, die eine Entwicklung zur Partiokratie (Herrschaft mehr oder weniger ähnlich strukturierter und programmierter Parteien) geradezu als zwingend erscheinen lässt. Und bei Partiokratien sind alle die Nachteile, die Olson der Autokratie zuordnet, auch gegeben – m. E. in wichtigen Details und Feldern sogar noch in viel stärkerer Ausprägung!