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Die Gemeinwirtschaft

Die Gemeinwirtschaft: Ludwig von Mises

Untersuchungen über den Sozialismus

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Autor(en) Ludwig von Mises Verlag Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH
Sachgebiet(e) Österreichische Schule ISBN 978-3-8282-0411-9

Das abgebildete Cover entspricht nicht dem Buchcover. Das Buch hat einen weinroten Leineneinband ohne Schutzumschlag.

Unveränderter Nachdruck der zweiten, umgearbeiteten Auflage, Jena 1932
mit einem Vorwort von Theo Müller und Harald Freiherr v. Seefried
2007, XXX/518 S., gebunden

Aus dem Vorwort zur 2. Auflage der Gemeinwirtschaft 1932:
Vor über 70 Jahren formulierte Ludwig v. Mises folgende hellsichtige Analyse: "Mehrere Menschenalter einigermaßen liberaler Wirtschaftspolitik haben den Reichtum der Welt gewaltig gemehrt. Der Kapitalismus hat die Lebenshaltung der Massen auf einen Stand gehoben, den unsere Vorfahren nicht ahnen konnten. Interventionismus und die auf Herbeiführung des Sozialismus gerichteten Bestrebungen sind seit einigen Jahrzehnten am Werke, das Gefüge der arbeitteilenden Weltwirtschaft zu zertrümmern. Wir stehen am Rande eines Abgrundes, der unsere Zivilisation zu verschlingen droht. Ob die menschliche Kultur für immer untergehen oder ob es in letzter Stunde noch gelingen wird, die Katastrophe zu vermeiden und auf den einzigen Weg, der Rettung bringen kann, den Weg zu der auf rückhaltloser Anerkennung des Sondereigentums an den Produktionsmitteln beruhenden Gesellschaftsordnung, zurückzufinden, wird von den Ideen abhängen, die das Geschlecht erfüllen werden, das in den kommenden Jahrzehnten zu wirken berufen ist."

Theo Müller und Harald v. Seefried im Geleitwort zu diesem Neudruck:
"Wir leben heute in einer Zeit, in der in beängstigender Weise die Parolen des Sozialismus wieder auferstehen. "Freiheit durch Sozialismus" oder "Soziale Demokratie – nein, Demokratischer Sozialismus – ja" sind Zauberformeln und Phrasen, mit denen politische Hasardeure, die es besser wissen oder zumindest besser wissen müssten, Sympathisanten und Wähler um sich scharen. Schlimmer noch, die bürgerlichen Parteien übernehmen immer wieder in der Sucht nach Wählergunst Module der sozialistischen Parteiprogramme in der Hoffnung, so dem politischen Gegner das Wasser abzugraben. Sie verlieren hierbei ihre eigene Identität."

Quelle: Lucius & Lucius

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Rezensionen
Zentrale Planung oder freier Markt? Hubert Milz 19.02.15

Im Winter 1919 hielt Ludwig von Mises (LvM) vor der "Wiener Nationalökonomischen Gesellschaft" einen Vortrag mit dem Titel «Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen». Dieser Vortrag wurde 1920 im "Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" veröffentlicht und bildete die Keimzelle für das Buch "Die Gemeinwirtschaft" von 1922, ein Buch, welches damals (1922) viele junge Nachwuchsökonomen stark beeinflusste, prägte und vom Sozialismus hin zur Marktwirtschaft führte. Diese Nachwuchsökonomen (z. B. Friedrich August von Hayek, Fritz Machlup, Gottfried von Haberler, Steffy Browne, Wilhelm Röpke, Lionel Robbins oder Bertil Ohlin) standen dann in der "Sozialismus-Debatte" jener Jahre auf Seiten von LvM.

Was war bis dahin geschehen? Wegen der Vorgaben von Marx und Engels entzogen sich damals die sozialistischen Theoretiker einer Diskussion darüber, ob in einem sozialistischen Gesellschaftsmodell tatsächlich zwingend ein Mehr an Freiheit und an persönlicher bzw. allgemeiner Wohlfahrt zu realisieren sei. Kritikpunkte, wie z. B. die Frage nach der Motivation der arbeitenden Menschen, wurden abgewürgt; denn im und durch den Sozialismus würde ein neuer Menschentypus entstehen – dies waren zwar alles nur Behauptungen, eine Diskussion kam jedoch durch diese Haltung der sozialistischen Theoretiker nicht zustande.

Mit dem Buch "Die Gemeinwirtschaft" von 1922 startete LvM einen Frontalangriff gegen den Sozialismus an und für sich. Alle Argumente, die bis dahin schon immer gegen die sozialistische Lehre vorgetragen worden waren, bündelte LvM noch einmal und erweiterte seinen Angriff um das Argument aus dem genannten Vortrag; die "Unmöglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus" wurde zum Hauptargument.

LvM zeigt, dass in einer Marktwirtschaft die Steuerung des Einsatzes der Produktionsmittel über das Informationsmittel der "Marktpreise" erfolgt. Die Unternehmer kennen die "Preise" der Produktionsmittel, die sie zu erwerben und einzusetzen haben, um z. B. irgendein "Konsumgut" produzieren zu können – und diese "Marktpreise" fließen als Kosten in die Kalkulation jenes Konsumgutes ein. Der Unternehmer kennt somit die Kosten der Produktion und kann dadurch den Einsatz der Produktionsmittel optimal – nämlich mittels "Marktpreise" preiswert – gestalten.
Ein zentraler Planer kann das nicht; denn alle Produktionsmittel befinden sich in der Hand des zentralen Planers – der zentrale Planer braucht nicht einzukaufen und damit fehlt ihm die Rechengrundlage zur Kalkulation. Der Zentralplaner weiß nicht, was die Produktion irgendeines Konsumgutes wirklich kostet; da er die Einsatzkosten nicht kennt. Folglich kann der Zentralplaner die Ressourcen, die er zur Produktion benötigt, eben nicht optimal planen, sondern der Planer wird zwangsläufig Ressourcen verschwenden und dadurch die allgemeine und individuelle Wohlfahrt der Bevölkerung nicht steigern, sondern absenken.

Die These der "Unmöglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus" löste unter den Ökonomen eine jahrzehntelange Debatte aus. Noch 1988 z. B. behauptete Christina Kruse in ihrer Dissertation (Die Volkswirtschaftslehre im Nationalsozialismus), dass LvM widerlegt sei; denn das Theoriegebäude der "Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik" sei auch auf ein sozialistisches Gemeinwesen anwendbar und damit sei auch eine optimale Zentralplanung der Ressourcenverwendung möglich.
Was besagt das Modell der "Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik"? Dieses Modell ist bis heute das grundlegende Modell der mathematischen Analysemethodik im Mainstream der Neoklassik. In diesem Modell werden die Gleichgewichtspreise und die entsprechenden Gleichgewichtsmengen über ein Gleichungssystem simultan bestimmt; "Güter" werden durch "Güter" getauscht. Da das Gleichungssystem simultan gestaltet ist, laufen alle Prozesse unmittelbar und zeitgleich ab – ein allwissender Auktionator sorgt für diesen reibungslosen und zeitgleichen Ablauf. Ergo ist die Zeit im Grunde wegdefiniert und somit können auch unmittelbar Güter gegen Güter getauscht werden – ohne Geld. Und dieser allwissende Auktionator ist ohne Umstände mit dem Zentralplaner austauschbar – zumindest in diesem Modell.

Kritik: Das Modell der "Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik" entspricht nicht der realen Welt. Den allwissenden Auktionator gibt es nicht: Menschen haben nur begrenztes Wissen, ebenfalls die zentralen Planer. Und die Realität ist nicht "statisch" wie im Modell der "Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik", die reale Welt kennt die Zeit und ist somit eine "dynamische" Welt.
Und LvM argumentierte vor dem Hintergrund einer dynamischen Welt, so dass für LvM irgendwelche "Gleichgewichtsannahmen" nur Hilfsmittel zur Analyse einer sich – durch menschliches Handeln – stetig und ständig verändernden menschlichen Umwelt darstellen können.

Daraus folgt, dass der Versuch LvM mittels des realitätsfreien Modells der "Allgemeinen Gleichgewichtstheorie der Neoklassik" zu widerlegen fehlgehen muss. Die Methodik, die LvM auf eine reale Welt anwendet, wird komplett ignoriert und stellt eben keine Widerlegung der Thesen von LvM dar. Diese Kritik ist eine mathematische Spielerei ohne eigentlichen Gehalt. Nicht umsonst hat der marxistische Ökonom Oscar Lange – damals vor rund 90 Jahren – gesagt, dass der Zentralplaner, wenn er Preise für eine optimale Planung des Ressourceneinsatzes benötigt, nur in einem amerikanischen Warenhauskatalog nachzuschlagen brauche.

Als 1989 der "real existierende Sozialismus" zusammenbrach, wurde LvM auch empirisch bestätigt. Es wurde offenbar und offensichtlich, dass LvM vor der Geschichte absolut im Recht ist, so dass die sog. Widerlegung der These von der "Unmöglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus" nur eine Mär war und ist – mehr nicht.