| Rezensionen |
| Milton Friedmans wichtigste Kampfschrift |
Hubert milz |
10.02.10 |
Kapitalismus und Freiheit
( Milton Friedman )
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Diese Schrift ist ein brillantes Plädoyer, eine wortgewaltige Kampfschrift für die Freiheit: für freie Bürger, die selbstbewusst und unabhängig der staatlichen Obrigkeit auf Augenhöhe begegnen möchten, die sich nicht einer Rundumbetreuung von "Papa Staat" einpferchen lassen wollen.
F. A. v. Hayek zählte einmal zwei Bücher auf, welche die schlimmsten Giftbücher der Volkswirtschaftslehre" sind: Einmal ist dies die "Allgemeine Theorie ..." von Lord Keynes und zweitens nennt Hayek das Buch "Essays in Positive Economics" von Milton Friedman.
Hayek ist damit voll im Recht. Die älteren Vertreter der sog. 'Chicagoer Schule der Ökonomie', zu denen Milton Friedman gehört, waren persönlich Männer, die in den Ideen der Freiheit verwurzelt gewesen sind, so dass sie ihre ökonomischen Modelle nur immer im Streit für die Freiheit und nicht dagegen einsetzten. Aber Prof. Dr. Hülsmann argumentiert korrekt, wenn er anmerkt, dass das ökonomische Theoriegebäude der Chicago-Boys auch freiheitsfeindlich verwandt werden kann. Milton Friedman, der Vater des Monetarismus, war seinem Gegner in der reinen theoretischen Modell-Ökonomie - dem Keynesianismus - wohl näher als er selber geglaubt hatte.
Dies nun gilt nicht für dieses Buch. Es ist dies kein Buch der mathematisch-ökonomischen Modelle, sondern ein politikwissenschaftliches Wirtschaftsbuch: ein Buch, welches in die Kategorie "Politische Ökonomie" eingeordnet ist.
Hier spricht Milton Friedman wortgewaltig zum Leser, analysiert die Bedingungen der Freiheit, macht klar, dass es ohne wirtschaftliche Freiheit in einer staatlichen Kommandowirtschaft keine Freiheit geben kann, dass es keine Feinsteuerung der Konjunktur im Sinne Keynes geben kann.
Sprachgewaltig, mit einleuchtenden Beispielen und geradezu funkelnden Formulierungen geht Friedman daran den Leser des Buches - einen eventuellen Gegner - zu überzeugen. Punkt für Punkt werden alle Politikfelder untersucht, in welchen die Staatsregierungen sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einmischen und sich anmaßen alles besser als die Bürger leisten zu können.
Ein Beispiel:
Auch das staatliche Erziehungswesen kommt so auf den Prüfstand. Friedman schlug vor, dass die staatlichen Schulen konsequent - ohne den Vorteil einer kompletten finanziellen Absicherung und Monopolisierung - im Wettbewerb mit privaten Schulen stehen sollten. Ein Gutscheinsystem pro schulpflichtiges Kind und einlösbar an allen zugelassenen Schulen - staatlich oder privat - solle den Wettbewerb gewährleisten. Die Politik müsse beweisen, ob sie etwas besser könne.
Ein Thema, welches in Deutschland ein Tabu ankratzt: hat doch das Bundesverfassungsgericht kürzlich (21.7.2009) grundgesetzwidrig die Rechte der Eltern bei Erziehungsfragen weiter beschnitten und möchte die Bundesfamilieministerin den Eltern die Kinder schon als Kleinstkinder wegnehmen, um die Kinder so früh wie möglich indoktrinieren zu können. Die Erziehungsdiktatur in Deutschland naht mit Sieben-Meilen-Stiefeln.
Das Buch enthält Vorschläge, die auch heute 40 Jahre nach der ersten deutschen Auflage, in den Ohren der wohl überwiegenden Zahl der Deutschen radikal und unmöglich wirken. Deutschland ist nun einmal davon geprägt, dass seine Bevölkerung stets und ständig nach dem Staat ruft, der Staat soll alles richten, alles regeln und für Rundumbetreuung sorgen. Der Staat als vorsorglicher Familienvater, der seine Kinder - egal wie alt diese sind - von der Wiege bis zur Bahre umsorgt und alle Verantwortung von ihnen abhält. Dies ist seit Kaisers Zeiten das vergötzte Staatsbild der Deutschen.
Von daher sind solche Bücher wie dieses hier wichtig und sollten immer aufs Neue aufgelegt werden. Eventuell schafft es ein solches Buch, wenn es denn einige Leser zum Mitdenken anregt, den Glauben an die Allmacht des Staates, an die allumfassende staatliche Machbarkeit bei wenigstens einigen Lesern aufzubrechen.
Für eine Zukunft in Freiheit wäre dies für Deutschland sehr zu wünschen. |
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| Radikale Gedanken |
Hubert Milz |
10.02.10 |
Politik der neuen Toleranz
( Stefan Blankertz )
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Das Buch ist ein Plädoyer für einen radikalen Liberalismus, für freien Markt und Toleranz.
Stefan Blankertz gliedert das Buch in vier Hauptkapitel.
Im I. Kapitel über Terror und Befreiung geht er auf den Toleranzbergriff im Angesicht der staatlichen Gewalt ein.
Das II. Kapitel ist überschrieben mit Nietzsche. Was hat Nietzsche, der Freund der "blonden Bestie", mit Toleranz und Freiheit zu tun? Doch so Einiges, wenn der Leser dem Autor folgt. Die nötige Ungleichheit, Frauen, Befreiung, Marx und Hollywood werden in diesem Kapitel im Kontext zu Nietzsche geführt. Gerade der Abschnitt über Nietzsche und den Hollywood-Regisseur John Ford ist einer der schönsten Teile des Buches. Die Botschaft dieser Filme, insbesondere der Wild-West-Filme - ist, wie Stefan Blankertz dies wunderbar herausarbeitet:
- sobald die Zivilisation Einzug hält, entsteht die Gewalt der staatlichen Ordnung;
- mit der Kavallerie kommt nicht die Befreiung und die Freiheit, sondern der Gewalt- und Unterdrückungsapparat der Regierung hält Einzug;
- es werden die Kräfte offen gelegt, welche die "offene Gesellschaft" hin zur "geschlossenen Gesellschaft" tendieren lassen
Das III. Kapitel untersucht die "Politische Ökonomie" des Sozialismus. Blankertz zeigt, dass der Sozialismus nur eine Spielart des Etatismus ist, dass er nicht leisten kann, was er verspricht. Sozialismus ist Verrat an der Freiheit und erzeugt auch in der Variante des Samtpfotensozialismus, beschönigend "Wohlfahrtsstaat" genannt, auf lange Sicht Massenarmut.
Im IV. Kapitel wird die Programmatik der "Neuen Toleranz" vorgestellt. Blankertz entwickelt seine Vorstellung vom "Freien Markt" und seine Strategie der Toleranz, was auch heißt, dass der Staat ein Zustand ist, den es zu überwinden gilt. Denn jedwede Form von politischer Herrschaft übt Gewalt aus, jeder Staat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat, auch der Rechtsstaat und auch Staaten, die als Minimalstaaten angetreten sind mutieren zu Maximalstaaten. |
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| Recht - Staat - Gesellschaft - Wirtschaft |
Hubert milz |
09.02.10 |
Das Staatsbild Franz Böhms
( Tamara Zieschang )
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In dieser Arbeit geht Tamara Zieschang dem Ideengebäude des Rechtswissenschaftlers Franz Böhms nach.
Zunächst gibt die Autorin einen Überblick zur Entstehung der Freiburger Schule, der Franz Böhm angehörte. In einer kurzen Skizze werden die kritischen Reflexionen der Schule zum Laissez-faire und zur deutschen Historischen Schule aufgerissen und die Grundlagen der Ordnungsidee (Ordo-Gedanke / Rechts-, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung) im Zusammenwirken mit dem Menschenbild der Freiburger Schule angesprochen.
In den Hauptteilen der Arbeit werden Franz Böhms Ansichten und Konzepte zur Wirtschaftsordnung, zur Privatrechtsgesellschaft und zur staatlichen Ordnung umfassend geschildert.
Dabei wird klar, dass Franz Böhm in einer Wettbewerbsordnung, die diesen Namen auch verdient, den Dreh- und Angelpunkt für eine gute und freie Gesellschaft sieht.
In den Konzeptionen Böhms sind die Eckpfeiler des Wettbewerbs das Privatrecht und das Marktsystem. Privatrecht und Markt werden als Signale gebende Systeme für die handelnden Menschen verstanden. Privatrecht und Markt sind für Franz Böhm die entschieden zu schützenden Kristalle, die zu sichern und zu pflegen sind, um die Wettbewerbsordnung vor ihren Feinden zu schützen. Zu diesen Feinden zählt Franz Böhm:
einmal den Staat, der durch die Regierungspolitik Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten und auf Kosten der Schwachen bewirken kann;
zweitens die private Macht, welche z. B. durch Kartelle den Wettbewerb aushöhlen kann, falls die Rechtsordnung eine Kartellbildung duldet.
Anschaulich wird dargelegt, wie Böhm die Entstehung privater Macht und deren negativen Einfluss, auch im Zusammenspiel mit den politikverantwortlichen Interessengruppen sieht.
Das Buch ist eine ideengeschichtlich interessante Lektüre. Das Buch zeigt den Weg eines Mannes, der sich in den Anfängen seiner Laufbahn intensiv mit den Problemstellungen und Fragen ob der Realisierung einer freiheitlichen Ordnung auseinandersetzt - und dies in den 1930er Jahren im Terrorstaat Hitlers. Weiter kann man in diesem Buch dann Böhms wissenschaftlichen und politischen Weg zur und in der Bundesrepublik Deutschland verfolgen. Dieser Weg besteht in Böhms Verlangen am Werden eines neuen Deutschlands mitzuwirken; eine freie Gesellschaftsordnung nicht nur mitzugestalten, sondern auch zu bewahren. Gleichzeitig führt das Buch, zwar ist der Fokus die Person des Franz Böhm, durch entscheidende Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und reißt Themen an, über die es sich lohnt - über die eigentliche Thematik des Buches hinweg - nachzudenken. |
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| Zeitlos |
Hubert Milz |
09.02.10 |
Die Wurzeln des Antikapitalismus
( Kurt R. Leube, Ludwig von Mises )
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Ludwig von Mises Studie über die Wurzeln des Antikapitalismus sind zeitlos wahr, obwohl seit Ersterscheinung des Buches 51 Jahre vergangen sind.
Ludwig von Mises analysiert die psychologischen Ursachen des weit verbreiteten Hasses auf den Kapitalismus, auf die Marktwirtschaft.
Insbesondere die Gründe des Hasses von intellektueller Seite her werden messerscharf herausgearbeitet. Der Hass der Intellektuellen, die sich doch einbilden, dass nur sie das gemeine Volk in höhere Sphären führen können, denn sie sind dazu durch ihren Intellekt von der Vorsehung auserkoren.
-> Und da kommen einige gewöhnliche Banausen und erfüllen die Wünsche der Verbraucher besser, schneller und/oder billiger. Diese Banausen werden, was für eine Unverschämtheit, durch diese kulturlosen und niedrigen Tätigkeiten auch noch wohlhabend.
-> Oder die Ressentiments der Film- und Popstars, die damals wie heute oftmals vor Hass auf die Marktwirtschaft geifern, aber damals wie heute in allen Medien als Experten zu Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen gehört werden. Und das nur, weil diese Ahnungslosen das Glück hatten/haben momentan prominent zu sein.
Alleine das Kapitel über die >kritischen Literaten< ist köstlich und zeichnet die Ahnungslosigkeit, die kindische Naivität dieser Schreiberlinge nach, ebenso die absolute Dummheit, die diese Schreiberlinge von ihrem Publikum erwarten.
Ich habe das Buch mindestens viermal gelesen, aber auch eine weitere Lektüre wird mich begeistern. |
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| Im Überblick: die "Bibliothek der Freiheit" |
Hubert Milz |
09.02.10 |
Die Idee der Freiheit
( Claudia Aebersold Szalay, Gerd Habermann, Gerhard Schwarz )
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Den Herausgebern des Buches ist Dank zu zollen, denn mit diesem Buch geben sie den Lesern, welche sich über die "Idee der Freiheit" kundig machen möchten, einen guten Leitfaden an die Hand.
Dieses Buch gibt einen Überblick über 111 wichtige Werke des Freiheitsgedankens. Für Neugierige eine Anleitung, eine Art Fahrplan durch die "Bibliothek der Freiheit".
Aber auch Leser, die meinen mit der Freiheitsliteratur vertraut zu sein, werden ihre Freude an dem Buch haben und wohl auch manchmal über die Textauswahl überrascht werden.
Namhafte und bekannte Autoren und Kenner der Materie, wie Roland Baader, Hardy Boullion, Wernhard Moeschel, Robert Nef und viele mehr, schlagen in 111 Rezensionen den Bogen vom Freiheitsdenken in der Antike bis hin zur Gegenwart, wobei - bei einer subjektiven Auswahl wohl normal - nicht alle Strömungen des Liberalismus gleichgewichtig Gehör finden. Der eine oder andere Leser wird dieses oder jenes Buch in den Besprechungen vermissen. Manche werden vielleicht auch überrascht darüber sein, dass etliche deutschsprachige Autoren genannt sind! Deutschland, dies ist doch das Land, in welchem der Gedanke der Freiheit keine Tradition hat? Aber die Texte von Kant, Humboldt oder Eucken zeigen, auch in Deutschland gab und gibt es eine Tradition des Freiheitsdenkens; eine Idee, die in Deutschland unbestritten oftmals und vielfach geschmäht wurde und wird.
Es werden außer den schon genannten Denkern z. B. auch Texte von
- Aristoteles
- Thomas von Aquin
- Adam Smith
- Bernard de Mandeville
- John Locke
- John Emerich Edward Dalberg Lord Acton
- Ludwig von Mises
- Friedrich August von Hayek
- Wilhelm Röpke
besprochen, wobei man bei den einzelnen Besprechungen, insbesondere, wenn bei den rezensierten Text kennt, bei Details und Nuancen, natürlich anderer Meinung sein kann (und wohl auch ist) als der Rezensent.
Das Buch ist jedem Leser zu empfehlen; denn für Kenner der Literatur ist es ein nützliches Nachschlagewerk und für die Nichtkenner einer wunderbare Einführung und Hinführung in die "Ideen, die für eine Gesellschaft freier Menschen" stehen. |