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Worauf warten wir?

Worauf warten wir?: Notker Wolf

Ketzerische Gedanken zu Deutschland

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Autor(en) Notker Wolf Verlag Rowohlt Verlage
Sachgebiet(e) Sozial- und Wohlfahrtsstaat ISBN 3-499-62094-4
2006, 224 Seiten, Taschenbuch

Deutschland geht es schlecht: die Arbeitslosigkeit steigt, die Wirtschaft stagniert, die Staatskassen sind leer. Schuld daran sind stets die anderen: Politiker, Manager, Gewerkschaften, Konzerne, Banken... Nur wir nicht. Wir warten. Denn um zu verändern, müssten wir etwas aufgeben: Denkgewohnheiten, Sicherheit, Besitz und Ansprüche. Provokant prangert Notker Wolf die deutschen Besitzstandswahrer an und zeigt, wie wir durch mehr Freiheit eine zukunftsorientierte Gesellschaft werden können.

Gedanken über Gott und die Welt

«Ein Satz der italienischen Revolutionsbewegung hat mir immer zugesagt: La lotta continua – Der Kampf geht weiter.» Der das sagt, ist kein Umstürzler in der Tradition von Rudi Dutschke oder Adriano Sofri, auch wenn er als Gitarrist der Rockgruppe Feedback durchaus ein Faible für Hardcore zu haben scheint. Er ist ein Mann der Kirche, ein Ordensmann: Seit 2000 steht Abtprimas Notker Wolf an der Spitze des Benediktinischen Ordens. Worauf warten wir? nennt er seine «ketzerischen Gedanken zu Deutschland»: ein kluges, provozierendes, aufrüttelndes Buch.

Trotz aller klaren Worte ist Worauf warten wir? ein Besinnungsbuch und keine Kampfschrift. Stets spürt man die geistige Unabhängigkeit eines Mannes, der als «Chef» von 16.600 Nonnen und Schwestern und 8.400 Mönchen und als Verantwortlicher für die Hochschule und das Kolleg von Sant’ Anselmo geistliche Aufgaben mit vielerlei Managementpflichten zu vereinbaren hat.

Der Abtprimas jettet als benediktinischer Reisekader um die Welt; heute Kalifornien, danach zwei Tage Sant’ Anselmo, weiter nach Indien, Polen und Spanien, vierzehn Klöster in zehn Tagen: «Eigentlich bräuchte ich meinen Koffer nie auszupacken.» Erstaunlich, dass er in seinem aufreibenden Stop-and-go-Leben immer wieder die Muße gefunden hat, seine Ansichten über deutsche Zustände zu Papier zu bringen. Sein Urteil fällt wenig schmeichelhaft aus – von wegen «Du bist Deutschland»!

Ein paar Kostproben: «Von China aus gesehen, erinnerte mich Deutschland an einen Masochisten, der sich erst gründlich quält und dann krankschreiben lässt... Im Grunde verträgt sich das moralische Versagen gieriger Wirtschaftsbosse bestens mit der Freiheitsvorstellung der 68-er ... Bei Bundeskanzler Gerhard Schröder gesellte sich zur Volksverachtung eine Verachtung des Parlaments, die ausgerechnet in der Vertrauensfrage unverhohlen zutage trat...»

Und so passt es zu dem streitbaren Oberbenediktiner auch, dass er in Interviews kokett den alten AC/DC-Fetzer Highway to Hell (und nicht etwa den Led Zeppelin-Song Stairway to Heaven!) für seine persönliche Hall of Fame auswählt, einen Klassiker der Rockmusik, die einst Kardinal Josef Ratzinger als Werk «des Teufels» gebrandmarkt hatte. La lotta continua!
Quelle: Rowohlt Verlage

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Rezensionen
Notker Wolf, 68, und das Tier in uns Peter Pablow 12.04.07

Na ja, ich habe das Buch unseres Abtes auch gelesen, und ich kann die meisten der dargestellten Argumente überhaupt nicht nachvollziehen. Nach Ansicht von Herrn Wolf haben ab 1789 ( dem Jahr der französischen Revolution ) nur noch Logik und Verstand Europa beherrscht ( wobei sich die Frage stellt, wie es dann zu den Katastrophen der nachfolgenden Jahrhunderte kommen konnte ), dann sind die bösen 68´er gekommen, haben Trieb und Gefühl anstelle der Vernunft gesetzt, und seitdem entwickelt sich der Deutsche zum morallosen Triebtier zurück ( kein Scherz, steht dort wirklich sinngemäß so geschrieben ). Nach Meinung von Herrn Wolf sind die 68´er ohnehin an allem Schuld, was ihm in Deutschland nicht in den Kram paßt: Fehlende Werte, leere Kirchen, raffgierige Manager, faule Arbeitslose, zerbrechende Ehen, Phlegmatismus, etc. Die 68´er müßten also mehr Macht als Gott, Satan, und alle übernatürlichen Mächte haben. Außerdem ist nach Ansicht von Herrn Wolf jeder heute in Deutschland lebende Mensch ein verkappter 68´er, selbst derjenige, der damals noch flüssig war, oder erst die Segnungen des Sandkastens kennenlernte. Klang für mich alles ziemlich Banane. Die Ansichten von Herrn Wolf über Arbeitslose und Hartz IV - Empfänger( "sitzen im Käfig sozialer Bequemlichkeit", "wollen ihr kindliches Leben weiterführen" ) dürften ohnehin bekannt sein. Kein Wort der Kritik auch zu China, in dem es wirklich noch Unfreiheit,Unterdrückung, Ausbeutung, und Produktpiraterie in erschreckendem Ausmaß gibt, und das hier nur in den höchsten Tönen gelobt wird. Ich hatte den Eindruck, hier will nur jemand seine erzkonservativen und neoliberalen Ideen verkaufen. Das Buch dürfte bei jedem hinterwäldlerischen Stammtisch für Beifall sorgen, jeder andere wird vermutlich ( so wie ich ) den 12 € nachtrauern.

Lob vom Atheisten Stefan Bosch 10.09.06

Man wird sich vielleicht wundern, daß ich einen katholischen Abt interessant finde. Aber ich war selbst überrascht, als ich ihn kürzlich in der NDR-Talkshow sah. Worte wie "individuelle Freiheit", "Recht auf Eigentum" hätte ich nicht von einem Kirchenmann zu hören erwartet.

Freilich ist er weit davon entfernt, ein Libertärer zu sein. Er unterscheidet sich aber in seinen Ansichten grundlegend von dem, was wir sonst so von Christen hören - aktuell wieder beim Kirchentag von Bischof Marx (sic!). Ihm fehlt vielleicht nur noch eine Prise Mises.