Ludwig Erhard
Der Wegbereiter der sozialen Marktwirtschaft
| Preis | 24,00 € | Vergriffen | |
| Zustand | Neu | ||
| Autor(en) | Alfred C. Mierzejewski | Verlag | Siedler Verlag |
| Sachgebiet(e) | Biographien | ISBN | 3-88680-823-8 |
| 2005, 400 Seiten, Leinen | |||
Als Festeinband leider vergriffen - als Taschenbuchausgabe hier erhältlich
Originaltitel: Ludwig Erhard - A Biography
Originalverlag: University of North Carolina Press, Chapel Hill 2004
Aus dem Amerikanischen von Anne Emmert, Norbert Juraschitz
Die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Ludwig Erhard (1897-1977) in einer fesselnden neuen Darstellung. Als »Vater des deutschen Wirtschaftswunders« gefeiert, ist er doch ein großer Unbekannter geblieben. Ludwig Erhard war stets ein unabhängiger Geist, der sich von niemandem vereinnahmen ließ. Auch als Politiker blieb er unbequem. Gerade heute ist vom Begründer der Sozialen Marktwirtschaft, der den Deutschen Freiheit und Wohlstand brachte, viel zu lernen.
ZU DIESEM BUCH:
Die erste große Erhard-Biografie seit Jahren schildert die »durch und durch unorthodoxe Laufbahn« (Klaus Hildebrand) dieses Visionärs und Ausnahmepolitikers. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend blieb der 1897 in Fürth geborene Erhard ein Leben lang den liberalen Grundsätzen seines Elternhauses treu und ließ sich nie von den totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts verführen. Schon im Frühjahr 1944 entwarf der promovierte Wirtschaftswissenschaftler unter großer Gefahr eine Denkschrift, in der er wirtschaftspolitische Maßnahmen für die Zeit nach der deutschen Niederlage vorschlug. Darin findet sich in Grundzügen skizziert, was nach 1945 zur Anwendung kam. Alfred C. Mierzejewski zeigt in seiner analytisch brillanten, auf umfangreichem Quellenmaterial beruhenden Lebens- und Wirkungsgeschichte Erhards, dass dessen Bedeutung für die Geschichte der Bundesrepublik gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Obwohl er als Wirtschaftsminister mit der Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft zum »Vater des deutschen Wirtschaftswunders« wurde, ist er als Kanzler tragisch gescheitert. Doch Erhards Ideen, sein Kampf für freien Welthandel und die Eigenverantwortung des Bürgers, gegen Kartelle und das Ausufern des modernen Wohlfahrtsstaates sind überraschend aktuell.
Quelle: Random House
Eine Rezension zur englischen Ausgabe des Buches findet sich in der FAZ vom 06.10.2004.
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| Rezensionen | ||
|---|---|---|
| Der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft | Michael von Prollius | 14.05.09 |
„Erhard hält, was er verspricht. Wohlstand für alle durch die Soziale Marktwirtschaft“ lautet der Text eines Wahlkampfplakates, das am Anfang der lesenswerten Biographie von Alfred Mierzejewski abgebildet ist. Der Slogan bringt drei zentrale Aspekte des Buches zum Ausdruck: Erstens den thematischen Schwerpunkt der Biographie, der auf der Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit liegt; zweitens die abgewogen positive Einschätzung Erhards durch den Biographen und drittens Erhards herausragende Leistung: Der spätere Wirtschaftsminister führte im Juni 1948 die „richtige“ Wirtschaftsordnung gegen massive Widerstände ein und ermöglichte so den Menschen in Westdeutschland ein besseres Leben. Passend urteilt Mierzejewskis zum Schluss seiner Einleitung: „Erhard war nur teilweise erfolgreich, doch in dem Maße, wie er es war, wurde Deutschland zu einem besseren Land.“ Diese klare Linie behält der US-amerikanische Historiker bei, da er der Ordnungspolitik eine herausragende Rolle zu misst, sowohl für den einzigartigen Wirtschaftsaufschwung der 50er Jahre als auch für dessen Nachlassen aufgrund einer zunehmend interventionistischen Politik. Folgerichtig hält Mierzejewski die Erklärung des Bielefelder Wirtschaftshistorikers Werner Abelshauser für „inakzeptabel“, der mit seiner „Rekonstruktionshypothese“ – der quasi automatischen Rückkehr Deutschlands zu einem natürlichen Wachstumstrend nach einem in der NS-Zeit aufgestauten Konsum – und seiner Geringschätzung marktwirtschaftlicher Prinzipien eine Forschungskontroverse ausgelöst hatte. Anschaulich arbeitet Mierzejewski heraus, wie sehr Erhards marktwirtschaftlicher Kurs durch persönliche Anfeindungen und interventionistische Verlangen durchkreuzt wurde. Da der texanische Wissenschaftler für ein breites Publikum schreibt, meidet er ideengeschichtliche Tiefen und konzentriert sich sehr pragmatisch auf die angewandte Wirtschaftspolitik. Deutlich wird, dass Erhard ein Sachpolitiker, aber kein Machtpolitiker war – anders als sein Gegenspieler Adenauer. Der wohl berühmteste Wirtschaftsminister Deutschlands vertrat mit einer teilweise bewundernswerten Sturheit unerschrocken seine Überzeugung, vernünftige Sachargumente für die überlegene Marktwirtschaft würden sich durchsetzen. Erhard war ein glänzender und beliebter Kommunikator; er wandte sich vorwiegend mit Reden und Artikeln direkt an die Bevölkerung. Die bürokratische Führung des Ministeriums interessierte ihn auch mangels persönlichem Ehrgeiz hingegen genau so wenig wie parteipolitische Schachzüge. Im Kampf mit den gewieften und intriganten Machtpolitikern, die um kurzfristiger Erfolge willen ihren Kurs und ihre Werte anpassten, unterlag Erhard mehrfach. Das galt insbesondere für Auseinandersetzungen mit Adenauer, von dem Erhard wiederholt gedemütigt wurde. Nach seiner Lebensleistung, der Wirtschaftsreform im Juni 1948, führte Erhard mit seinen Verbündeten praktisch nur noch Abwehrkämpfe. Eine weitere bedeutender Reform gelang ihm nicht mehr. Der Versucht, mit dem Konzept der „formierten Gesellschaft“ Mitte der 60er Jahre eine geistige und sozialpolitische Wende einzuleiten, misslang bereits im Ansatz.
Mierzejewski spart nicht mit Urteilen. Manche erscheinen etwas vorschnell und pauschal, etwa zu Röpkes Ordnungskonzeption, aber auch Erhards Haltung bezüglich einer freien Marktwirtschaft bleibt undeutlich. Gleichwohl heben sich die Urteile des Professors für deutsche Geschichte an der North Texas University positiv vom Mainstream ab: Die Rentenreform von 1957 markiert für Mierzejewski das Ende der Sozialen Marktwirtschaft. Die Gründung des Gemeinsamen (europäischen) Marktes ist für ihn in Übereinstimmung mit Erhard ein interventionistischer Aufbruch in ein undemokratisches, bürokratisches Regime. In dem mangelnden Verständnis einer freien Marktwirtschaft bei der Masse der Deutschen sieht Mierzejewski den Schlüssel zur deutschen Nachkriegsgeschichte. So blieben Befürworter einer (per se) sozialen Marktwirtschaft letztlich Außenseiter, trotzt publizistischer Unterstützung durch die „Erhard-Brigade“. Dabei strebte Ludwig Erhard eine menschenwürdige Gesellschaft an. Er wollte die Menschen von „der Tyrannei kleinlicher Beamter befreien.“ Schutz der Bürger vor der Knechtschaft der Bürokratie und Vermachtung durch private Institutionen, um „ihr Leben in Freiheit und Würde nach eigenem Ermessen gestalten zu können“ gingen Hand in Hand. Ziel war eine Gesellschaft freier Menschen, die aus freien Stücken ihre moralische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft akzeptieren. Der Leser erhält mit diesem Buch einen gut geschriebenen Überblick über die deutsche Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit bis zum Ende der 50er Jahre. Knapper behandelt wird Erhards Kanzlerschaft, die wenige Höhepunkte bot, einschließlich der Intrige um seine Absetzung. Die sich anschließende Zeit als unpolitischer Mensch wird nur gestreift. In seiner chronologischen Erzählung beschreibt Mierzejewski Ludwig Erhard als einen Normalbürger, der seinen kleinbürgerlichen, individualistischen Wurzeln treu blieb. Als sanftmütiger Mensch und Optimist ging es dem Franken stets um die Verbreitung freiheitlicher Ideen, dessen wichtigstes Vermächtnis seine Wirtschaftsphilosophie einschließlich des Fair Play-Gedanken sind. Die Vorteile vieler angelsächsischer Wissenschaftspublikationen kennzeichnen auch die Erhard-Biographie: Sie ist gut lesbar, teilweise spannend geschrieben, und zugleich fundiert. Alfred Mierzejewskis Schilderung des Wegbereiters der Sozialen Marktwirtschaft wird zudem von einem inneren Kompass geleitet, dessen Nadel auf eine freie Marktwirtschaft als integralem Bestandteil einer freien Gesellschaft zeigt. Quelle: www.forum-ordnungspolitik.de |
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