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Hitlers Volksstaat

Hitlers Volksstaat: Götz Aly

Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus

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Zustand Neu Auf Lager
Autor(en) Götz Aly Verlag S. Fischer Verlag GmbH
Sachgebiet(e) Totalitarismus ISBN 978-3-596-15863-8

2006, 480 S., br.

auch als gebundene Ausgabe erhältlich

Bereits der Titel des Buches verspricht jenen Sprengstoff, der sich einige Seiten später offenbart. Bisher galt es in der publizistischen Landschaft der Bundesrepublik als Frevel den Begriff Sozialismus im gleichen Atemzug mit dem nationalsozialistischen Massenmord zu verwenden. Dies dürfte sich mit dem Erscheinen dieses Buches ändern.

Auch Götz Aly stellt die Frage "Wie konnte es soweit kommen?" Wie konnte ein millionenfacher Massenmord geschehen, ohne daß sich auf breiter Front Widerstand gebildet hätte? Wie konnte die deutsche Wehrmacht einen Eroberungsfeldzug durch halb Europa führen, ohne daß die deutsche Bevölkerung sich gegen die entstehende Belastung zur Wehr setzte?

Und er beantwortet sie gleich zu Beginn des Buches: Die Deutschen wurden vom sozialistischen Umverteilungsstaat der Nazis gekauft und sie ließen sich kaufen.

Die Mittel für die Umverteilung stammten in den Jahren vor dem Krieg aus den enteigneten Vermögen der bis dato jüdischen Mitbürger. In den Kriegsjahren wurden dann die enteigneten Vermögen aus den besetzten Ländern zur Finanzierung des national-sozialistischen Sozialstaats herangezogen. Zunächst wurden auch hier wiederum die Juden enteignet. Eine Enteignung der nichtjüdischen Vermögen geschah gleichzeitig oder folgte meist unmittelbar.

Götz Alys These: Es war weniger der Terror der Terror der Nationalsozialisten, der die Deutschen zum Mitmachen bewegte als die sozialstaatlichen Anreize.

Vieles von, was die National-Sozialisten propagierten, kommt uns auch heute noch (oder wieder) sehr bekannt vor: "Die Grundlagen der EU-Agrarordnung, das Ehegattensplitting, die Straßenverkehrsordnung, die obligatorische Haftpflichtversicherung für Autos, das Kindergeld, die Steuerklassen oder auch die Grundlagen des Naturschutzes stammen aus jenen Jahren."

Das weiche Polster staatlicher Rundumversorgung wurde von jenen finanziert, die in den Lagern verschwanden. Hitler wurde, so Aly, als großer Integrator gesehen. Die Ausgrenzung der linken Sozialisten, Juden und Abweichler trat in den Hintergrund. Sie trugen die Kosten der nationalsozialistischen "democrazia totalitaria", wie Aly den politischen Zustand mit einem Zitat Mussolinis bezeichnet.

Götz Alys Buch wird der Diskussion um die Ursachen des Rassenwahns und des Massenmords durch das nationasozialistische Terrorsystem neue, bisher wenig beachtete Aspekte hinzufügen. Insbesondere hinsichtlich der angekündigten NPD-Demonstrationen zum fünfzigsten Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 1945 sollte sich der interessierte Leser nicht von vordergründigem politischen Verbotsaktionismus blenden lassen.

Die Gefahr des nationalen Sozialismus besteht nicht in seinen dumpfen Haßparolen, sondern in den versprochenen Wohltaten für das "deutsche Volk": sichere Arbeitsplätze, Umverteilung der finanziellen Mittel vom "Großkapital" hin zum "kleinen Mann auf der Straße", mehr Kindergeld für die "deutsche Frau" und vieles andere, was ein Sozialstaat zu bieten hat.

Meine eigene Schlußfolgerung nach dem Lesen des Buches: Während die Nationalsozialisten 1933 einen Großteil der sozialstaatlichen Strukturen erst aufbauen mußten, hätte es die NPD heutzutage weitaus leichter, ihre sozialistischen Pläne in die Tat umzusetzen.

Die sozialstaatliche Infrastruktur zur Lenkung und Befriedigung der Massen besteht bereits.

"Wehret den Anfängen!" bedeutet auch: "Wehret dem Sozialstaat!"

Michael Kastner

Während des Zweiten Weltkrieges verwandelte die Regierung Hitler den Staat in eine Raubmaschine ohne Beispiel. Die große Mehrheit der Deutschen stellte sie mit einer Mischung aus sozialpolitischen Wohltaten, guter Versorgung und kleinen Steuergeschenken ruhig. Die Kosten dieser Gefälligkeitsdiktatur hatten Millionen von Europäern zu tragen, deren Besitz und Existenzgrundlagen zum Vorteil der deutschen Volks- und Raubgemeinschaft enteignet wurden. Der Autor zeigt, wie die Erlöse aus dem Verkauf von jüdischen Vermögen überall in Europa in die deutsche Kriegskasse flossen und damit auch in die Taschen der Soldaten.

Wer von den vielen Vorteilen für Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.

Quelle: S. Fischer Verlag GmbH

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