Miriamslied
| Preis | 38,00 € | In den Warenkorb » |
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| Zustand | Neu | Auf Lager | |
| Autor(en) | Stefan Blankertz | Verlag | buchausgabe.de |
| Sachgebiet(e) | Romane | ISBN | textausgabe-2 |
"Miriamslied" ist ein im doppelten Wortsinne phantastischer Roman. Nach den Mittelalterkrimis und dem Zukunftsroman "2068" hat Stefan Blankertz mit "Miriamslied" einen weiteren schriftstellerischen Höhepunkt geschaffen.
Man muß schon ziemlich gute Nerven oder einen unendlich langen Geduldsfaden haben, diesen Roman nicht in einem Zuge durchzulesen. Von der ersten Zeile an fesselt die Geschichte über Kampf um Anerkennung in einer Gesellschaft, die so ganz anders ist als die Reale und doch der unseren so ähnlich, daß man sich augenblicklich in die Welt der Handelnden begibt.
Es ist ein Roman über Leiden und Erlösung in dem gut und böse sich nicht immer gegenüberstehen.
Nicht nur die Geschichte, die in "Miriamslied" erzählt wird, ist einzigartig:
Jedes Exemplar des Romans ist ein Unikat.
Von den einhundert verkäuflichen Exemplaren enthält jedes einen Originalausdruck eines Porträts der Hauptfigur Kordula. Es gibt neun verschiedene Motive in unterschiedlichen Umsetzungen. Jedes Exemplar ist numeriert und vom Autor signiert.
Ebenfalls als limitierte Unikatausgabe bei buchausgabe.de erhältlich ist das Gedicht "che".
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| Irjendwie sin mer Jefangene | artemidor | 24.09.08 | |
Stefan Blankertz neues Buch „Miriamslied“ (edition Textausgabe, 2008, 251 S.) ist sein bisher komplexester Roman. Seine Kategorisierung würde hier schwerfallen, hat man es doch mit inzestuösen Erzbischöfen, als Computerwesen wiederauferstandenen Eroberern, neuen Religionen, Kämpfen zwischen Ratten, Robotern, Menschen und ihren Mischformen und mit vielen weiteren Absonderlichkeiten zu tun. Dem Autor muß beim Schreiben des Romans viel Spaß gehabt haben, auch wenn der nichtsahnende Leser manchmal einen Satz zweimal liest, um dann überrascht oder erbost festzustellen, daß er tatsächlich so dastand, wie er ihn gelesen hat. Der Struktur nach erinnert der Roman an mittelalterliche Fastenspiele oder an einen völligen verdrehten Hexensabbat aus Faust („vom Himmel durch die Welt zur Hölle“): Attila hatte vor 15 Jahrhunderten die Hl. Ursula samt 11.000 sie begleitenden Jungfrauen umgebracht. Dafür kam Attila in die Hölle, die Hl. Ursula aber in den Himmel. 1500 Jahre später haben sich alle monotheistischen Religionen im Jenseits zusammengeschlossen, um Front gegen die „terroristischen“ polytheistischen Religionen zu machen. Wie bei jedem Unternehmens-zusammenschluß wurde danach Personal eingespart, und so müssen jetzt Engel in der Hölle oder Hilfsteufel als „Bewährungshelfer“ im Himmel Einsatz tun. Der Fall Attila-Ursula soll jetzt noch einmal aufgerollt werden, weil nicht klar ist, ob der Selbstmord der Hl. Ursula zur Bewahrung ihrer Jungfräulichkeit und ihres Ehegelöbnisses tatsächlich eine heiligmäßige Handlung gewesen ist. Dafür werden beide noch einmal auf die Erde geschickt, damit deutlicher wird, ob die Einweisung in den Himmel oder die Hölle richtig gewesen ist. Als Bewährungshelfer sollen ihnen beistehen: Miriam, der in die Hölle abgeordnete Hilfsengel, der „Gottesgeißel“ Attila und der temporär im Himmel diensttuende Hilfsteufel Lufred der Hl. Ursula Was auf der Erde folgt, ist nicht minder merkwürdig. Im wesentlichen ist es ein Kammerspiel von dem, was sich in zwei Tagen zwischen sechs – na ja, „Personen“ ereignet: Miriam ist jetzt eine Biologin, die Rattenexperimente durchführt. Sie ist ledig; vor 18 Jahren jedoch war sie verheiratet und außerdem die Geliebte ihres Onkels Lufred, der Erzbischof mit einer Vorliebe für Luxusautos und Pfeifenrauchen ist. Aus dieser Liaison ist Kordula hervorgegangen, ein Mädchen mit Rattenkopf (diese neue Rasse wird „Mette“ genannt, aus Mensch und Ratte zusammengesetzt). Lufred hat Kordula fast 18 Jahre lang im Keller des Bischofspalastes versteckt; die Beschreibung ihrer Behausung erinnert nicht von ungefähr an den Fall Kampusch. Lufred verspürt den Drang, Kordula Miriam zu zeigen, die ihre Tochter seit ihrer Geburt nicht gesehen hat. Begleitet werden sie von Kordulas Freundin, einer Ratte namens Miriam (übrigens verfügen Ratten über die Fähigkeiten der Telekinese und Telepathie). Attila ist als Computerwesen auf die Erde gekommen, er erstreckt sich über das ganze Internet und kann sich aller Informationen darin und der Computer als Endstellen bedienen. Er sieht und spricht mit den Menschen, ist aber in den Computern gefangen und kann in der Welt keine Wirkung entfalten. Daher sucht er einen Weg, Roboter zu bauen, die mit Rattenhirnen ausgestattet werden (die sogenannten „Rotten“, zusammengezogen aus Roboter-Ratten) und die verhindern sollen, daß Computer ausgeschaltet werden, was sein Verschwinden zur Folge hätte. Hierzu soll ihm Miriam helfen, die selber schon einmal derartige Experimente mit Computern und Rattenhirnen gemacht hat und sogenannte „Cotten“ geschaffen hatte. Hinzu kommt, daß eine neue Seuche grassiert, die sogenannte „schnelle Pest“, die den durch einen Rattenbiß Infizierten unweigerlich innerhalb von 24 Stunden umbringt. Da bekommt Miriam in ihrem Labor Besuch von ihrem Ex-Ehemann Siegfried, der im Gesundheitsamt arbeitet und gerne der nächste Oberbürgermeister werden möchte, um sie dazu zu überreden, ihr Labor von den städtischen Stellen überprüfen zu lassen. Diese Personen treffen nun alle in Miriams Labor zusammen, und wie auch im wirklichen Leben stolpern alle (mit Ausnahme Attilas) durch die Geschichte, die später Geschichte sein wird, ohne sich der Situation oder ihrer Rollen darin klar zu werden. Die Polizei glaubt, die anderen Personen im Labor hätten Siegfried zur Geisel genommen, um die Überprüfung des Labors zu verhindern. Ein lebensmüder Kommissar tritt als Unterhändler auf, auch ein Fernsehteam kommt in das Labor, ohne daß die Fronten klarer werden. Mittlerweile berichten draußen alle Medien von der „schnellen Pest“, dem weltweiten Computervirus, hinter dem sich Attila verbirgt, und der Geiselnahme. Irgendwann kommt es zu einer Art Showdown … Aber damit ist nichts zu Ende; ca. 50 Jahre später haben Ratten, Menschen, Rotten und Metten seit langem Frieden geschlossen. Die Ratten können seit Miriams Tod sprechen, Miriam ist nachträglich (und ironischerweise) zur Heiligen verklärt worden und mit Kordula, ihrer Tochter, als Hohepriesterin des Kults, findet eine Kultveranstaltung statt, wie sie in der Literatur nicht ihresgleichen hat. Was das Ganze bedeutet? Vielleicht würde der Autor sagen, dass er das selber auch nicht weiß. Daher muß der Kritiker sich zunächst überlegen, ob der Autor eine Verpflichtung hat, das, was er erzählt, zu bewerten. Zumindest steht fest, dass er der Erzähler ist und damit für die Auswahl dessen, was er erzählt, verantwortlich ist. Mit diesem Vorbehalt scheint das Buch zu zeigen, dass viele verschiedene Lebewesen, die der Natur nach nur wenig mit dem homo sapiens zu tun haben, miteinander in Beziehung treten können. Da der Autor langjähriger Libertärer (und „Deutschlands dienstältester Anarchist“) ist, spielt er damit auch Modelle von Kooperationen und konkurrierenden Ansprüche durch, die in unterschiedliche Moralitäten und Rechtssysteme münden können. Diese sind emergente Strukturen in einer Situation, die a priori rechtsfrei (niemand kann sich auf ein „Menschenrecht“ berufen) sind und immer die Option der Gewalt offen lassen. Die Wertungen von Gut und Böse sind damit nur noch lokal gültig; so bilden sich auch im Jenseits im Wettbewerb der Religionen untereinander kartellartige Strukturen heraus, mit der sich zum Beispiel monotheistische von polytheistischen Religionen abzugrenzen versuchen und man dabei im Rat der monotheistischen Jenseitsunion sogar auf die (ungeliebte) Mitarbeit von L. Ron Hubbard angewiesen ist. Ausfluß dieser Haltung ist auch, dass Stefan Blankertz vielen seiner Geschöpfe eigene Dialekte, Diktionen oder Grammatiken gibt. So spricht Attila (als Computer) in einer Syntax, die dem Chinesischen nachempfunden ist, die Ratten verwenden entsprechend der Bedeutung ihrer Sinnesorgane überwiegend Verben des Riechens und Hörens statt des Sehens, die heilige Ursula spricht Kanakisch („Hey Alde, was geht? Konkret krass“ etc.) und Siegfried ist ein Münsteraner, der versucht Kölsch zu sprechen. [Von ihm lernt man so Dialektbegriffe wie „kneistern“ (feststellen), „Tiftel“ (Kirche), „Seeger“ bzw. „Tütenüggel“ (Blödmann)]. Diese durchgehaltenen Charakteristiken dienen für mehr, als nur den einzelnen Personen ihre Wiedererkennbarkeit zu sichern (wie das formelhafte „... wenn ich mich nicht irre“ Sam Hawkins’). Sie stellen wirklich Umwelten im Sinne von J. Uexküll dar, sie beschreiben den Erlebensraum des der einzelnen handelnden Personen. Diese Räume unterscheiden, aber überschneiden sich, so daß es eine Verständigung gibt, die zu richtigem Verständnis (und sogar zur Liebe, wie bei Kordula und Hans) führt. Insgesamt ein Roman, der einen nicht auf dem Boden lässt, sondern einem ungewohnte Höhenflüge abverlangt, aber auch ungeahnte Aussichten verschafft. |
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| Sein oder Bewusstsein? | Karin Meyer-Umstaedt | 05.06.08 | |
»Wess’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing’«, dieser Grundsatz des zynischen Materialismus, über den sich die bürgerliche Moral entsetzt, weil sie gegen dessen Ursache nichts auszurichten vermag, wird in Stefan Blankertz neuem Roman mit dem bezeichnenden Titel »Miriamslied« als rasante Melodie auf das dialektische Verhältnis von Sein und Bewusstsein variiert. Die konfliktreiche Bezogenheit von Sein und Bewusstsein spiegelt sich ebenso in den Handlungen des Romans selbst wie, auf eine sehr subtile Weise, im Verhältnis des Textes zu den LeserInnen.
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