Buchausgabe
Info Kontakt Impressum Suche Warenkorb
buchausgabe.de - Bücher für den Liberalismus

1984

1984: George Orwell
Preis 9,95 € In den Warenkorb » Cart
Zustand Neu Versandfertig in ca. 2 bis 4 Werktagen
Autor(en) George Orwell Verlag Ullstein Verlag
Sachgebiet(e) Romane ISBN 978-3-548-23410-6
1994, 383 Seiten, Taschenbuch

Übersetzt von Michael Walter
Illustrationen von Michael Walter

Orwells Roman über die Zerstörung des Menschen durch eine perfekte Staatsmaschinerie ist längst zu einer scheinbar nicht mehr erklärungsbedürftigen Metapher für totalitäre Verhältnisse geworden.

Sein literarischer Erfolg verdankt sich einem beklemmenden Wirklichkeitsbezug, dem auch der Leser von heute sich nicht entziehen kann.

Quelle: Ullstein Verlag

Lesen Sie auch die Empfehlung von Michael Miersch.

» Zu diesem Buch eine Rezension schreiben «
Rezensionen
Leise und sanft – schon ziemlich weit? Hubert Milz 16.06.14

In Orwells Roman beherrschen drei Supermächte (Ozeanien, Eurasien und Ostasien) die Erde.
Diese drei Superstaaten befinden im ständigen Kriegszustand.
Der Roman spielt in Ozeanien und schildert die Welt eines totalitären Staates,
- -> in dem die Gesellschaft dreigeteilt ist: – 1. der Inneren Partei – 2. der Äußeren Partei – 3. der Masse der Proles;
- -> in dem eine totale Überwachung rund um die Uhr durch die Innere Partei möglich ist. In jeder Wohnung, jedem Büro und jeder sonstigen Lokalität sind nicht abschaltbare Bildschirme mit fest integrierten Kameras installiert. "Der Große Bruder, sieht alles": Die Kameras überwachen jeden, der nicht zum inneren Zirkel der Partei zählt, so dass z. B. schon leichtes Fehlverhalten bei der Morgengymnastik gerügt wird und die Apparatur eben auch der stetigen Berieselung mit Propaganda dient;
- ->in dem der Sinn der Worte aus der alten Umgangssprache entleert wird; mittels "Doppel-Denk" und "Neu-Sprech" verlieren die Worte ihre Bedeutung, z. B. "Unwissenheit ist Stärke";
- -> im Sinne von "Doppel-Denk" und "Neu-Sprech" sind auch die tragenden Säulen, die wichtigen Ministerien, dieses Staates gestaltet. Das "Wahrheitsministerium" definiert die "Wahrheit" im Sinne der Partei und vernichtet die Erinnerung in Bücher, Zeitungen usw., indem diese stetig gem. der "Wahrheit" umgeschrieben werden. Im "Liebesministerium" werden Andersdenkende durch Folter auf Linie gebracht und das "Friedensministerium" organisierte nicht den ständigen Krieg mit den anderen Supermächten, sondern erfüllt "Friedensmissionen". Und natürlich sind Selberdenken, private Gefühle, Bindungen und Intimitäten in diesem Überwachungsstaat nicht nur unerwünscht, sondern verboten, stehen unter Strafe und werden von der "Gedankenpolizei" verfolgt.

In diesen Rahmen stellt Orwell mit zwei Mitgliedern der Äußeren Partei – Winston Smith und Julia – ein Paar, das sich ineinander verliebt, Zweisamkeit sucht und dadurch per se in Opposition zum "Großen Bruder" steht. Das Paar glaubt in O´Brien einen Verbündeten gefunden zu haben. Dieser O´Brien, ein 100%iges Mitglied der Inneren Partei, lässt das Paar verhaften und im "Liebesministerium" foltern, bis das Paar auf Linie ist – den "Großen Bruder" liebt.
Orwells Roman "1984" ist eine zeitlos gültige Warnung vor den Gefahren der unkontrollierten staatlichen Machtausübung.

Der durch Orwell geschilderte totalitäre Staatsrahmen erinnert mich fatal an Karl Kautskys (dieser war im 19. Jahrhundert 1. Chefkommentator der SPD) Definition der wahren Demokratie: "In der wahren Demokratie fallen allen Rechte im Kollektiv zusammen, der Einzelne hat keinerlei Rechte mehr, auch kein Recht auf Widerstand."

Orwell hat in seinem Roman eine Partei beschrieben, die mit sehr brutalen Mitteln die "Abweichler" zur Räson bringt und das Volk in Zaum hält.
Muss dies immer so sein? Für etliche Beobachter des heutigen politischen Geschehens – wie z. B. Paul Craig Roberts, der unter Präsident Reagan stellvertretender Minister gewesen ist – realisiert sich hingegen das System "Großer Bruder" mit subtilen, mit sanften Methoden. Methoden, die die Menschen dazu bringen freiwillig auf Freiheitsgrade zu Gunsten von Sicherheit zu verzichten. Sicherheit, die nur scheinbar ist, weil jede Einschränkung der Freiheit die Macht von Regierungen und damit die Wahrscheinlichkeit vom Machtmissbrauch verstärkt.
Für Roberts sind "Doppel-Denk" und "Neu-Sprech" schon sehr weit fortgeschritten – gemäß Konfuzius, der schon sagte "Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung " und " Wenn Wörter ihre Bedeutung verlieren, verlieren Menschen ihre Freiheit". Gerade darin sieht Roberts eine große Gefahr:
- "Kriegseinsätze" sind heute "Friedensmissionen" oder "Einsätze zur Konfliktlösung";
- das "Destabilisieren" ganzer Staaten wird als "Demokratisierung" verkauft und von breiten Bevölkerungsmassen leider auch geglaubt; selbst dann, wenn eine hohe Repräsentantin des US-Außenministerium stolz verkündet, dass rund 5,4 Milliarden US-$ nötig waren, um mittels Einsatz von "Nicht-Regierungs-Organisationen" eine demokratisch gewählte Regierung wegzuputschen;
- ein US-Präsident erhielt 2009 den "Friedensnobelpreis", obwohl mit seiner Genehmigung zum Jahreswechsel 2008/09 Krieg im Gazastreifen geführt wurde und dieser Präsident in 2009 im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan einen Krieg führte, der rundf2 Millionen Menschen Pakistani aus der Heimat vertrieb und viele zivile Todesopfer forderte;
- oder aber durch Regierungen die "richtigen Werte" und die "richtige Meinung" mittels sog. Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen durchgesetzt werden sollen; flankiert durch Maßannahmen, die die "falsche Meinung" unter Strafe bzw. strafverschärfend stellen. Und wer definiert die "richtigen Werte" und die "richtige Meinung"? Natürlich die demokratisch legitimierten Regierungen, die dann auch von Top-Psychologie-Instituten die Gutachten erhalten, die die Aussage treffen, dass nonkonforme Ansichten ein klares Anzeichen für Geisteskrankheiten sind

Für solche Warner – wie Paul Craig Roberts – schleicht "1984" auf leisen Sohlen heran und hat in vielen Lebensbereichen leise und sanft ein großes Terrain besetzt. Wie man die einzeln Punkte jener Warner auch bewertet, dies ist nebensächlich; denn die Geschichte der Staaten zeigt eindeutig: Staatliche Macht muss domestiziert werden, sonst besteht immer die Gefahr des Machtmissbrauchs – und diese zieht den Verlust der Freiheit nach sich.