Einstieg in den Liberalismus
21.07.08
Ich werde immer wieder, gerade auch von jungen Leuten, gefragt, welche Bücher sich für einen Einstieg in den Liberalismus eignen. Auf diese Frage läßt sich, bei der Vielzahl hervorragender Bücher, die es auf dem Markt gibt, kaum eine objektive Antwort geben. Es gibt viele Gründe, sich mit dem Liberalismus und seinen Ideen zu beschäftigen und es gibt entsprechend viele Bücher, die diese Gründe aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
Ich selbst habe vor vielen Jahren, als ich vom liberalen Ideen kaum mehr wußte, als daß sie etwas mit einer Sache namens "Kapitalismus" zu tun haben, einmal in einem amerikanischen Used Book Store eine Ausgabe von Milton Friedman's "Kapitalismus und Freiheit" gefunden, die ich mit Begeisterung gelesen habe. In dem Buch wird anhand vieler sehr anschaulicher Beispiele erklärt, warum in einer Gesellschaft, in der Privateigentum die vorherrschende Eigentumsform ist, die Wahlfreiheit jedes einzelnen weitaus größer ist, als ein einer Gesellschaft, in der das Gemeineigentum und staatliche Fürsorge Vorrang haben.
Friedman verwies in seinem Buch wiederum auf den österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Friedrich August von Hayek und auf dessen Buch, das sich an "die Sozialisten in allen Parteien" wendet: "Der Weg zur Knechtschaft". Hayek schildert in dieser 1944 erstmals erschienen Warnung den unaufhaltsamen Weg in die Versklavung des Einzelnen, wenn die Illusion, daß die ökonomische Kontrolle des Staates zu ökonomischer Sicherheit des einzelnen führen könne, versucht wird in die Realität umzusetzen. Damit hat Hayek den Verfechtern staatlicher Wohlfahrt die Kernmerkmale des nationalen und des roten Sozialismus in eindringlicher Form vor Augen geführt.
Wenn dies alles, die Unmöglichkeit des Sozialismus, die Unfähigkeit staatlicher Sozialpolitik und die Unmöglichkeit gesellschaftlicher Organisation durch die Obrigkeit unmöglich ist, habe ich mich nach der Lektüre beider Bücher gefragt, warum ist dann diejenige Form des Wirtschaftens, die die Menschen bestmöglich mit Gütern versorgt und ihnen die größtmögliche Wahlfreiheit, sowohl in ökonomischer, als auch in sozialer Hinsicht läst, warum also ist der Kapitalismus so verhaßt?
Es hat etwas gedauert, bis ich jemanden gefunden hatte, der mir diese Frage beantwortete. Oder besser: bis ich ein kleines Büchlein gefunden hatte, dessen Autor sich mit den "Wurzeln des Antikapitalismus" beschäftigte. Das Büchlein hatte ein mir bis dahin recht unbekannter Ludwig von Mises geschrieben. Dieser Herr von Mises untersuchte die Ursache der Gegnerschaft, oder besser, der Feindschaft, zum Kapitalismus auf drei Ebenen: der psychologischen, der sozialphilosophischen und der kulturellen Ebene.
Ohne zu viel von den Erkenntnissen von Ludwig von Mises vorwegzunehmen: es ist ein geniales Büchlein, das beschreibt wie eine Koalition aus Wettbewerbsverliereren, politisierenden Sozialromantikern und intellektuellen Massenschmeichlern es schaffen, einen lausigen Sozialismus zur leuchtenden Ikone des Fortschritts zu stilisieren, währende die treibende Kraft ökonomischer und gesellschaftlicher Verbesserung, nämlich der Kapitalismus in den trostlosesten Katastrophenszenarien geschildert wird.
Bereits in diesem kleinen Bändchen ist es augenfällig, was für großartiger Ökonomom und Analytiker menschlichen Handelns Ludwig von Mises war. Ich konnte danach garnicht anders, als mir seine Nationalökonomie zu beschaffen. Wenn ich an dieser Stelle etwas über dieses fulminante Werk schreiben sollte, dann würde ich den Umfang dieses kurzen Textes mindestens um das zehnfache erweitern müssen und selbst dann könnte ich den ökonomischen Theorien von Mises nicht gerecht werden. Vielleicht werde ich an anderer Stelle zu gegegebener Zeit etwas dazu schreiben.
Der Weg von Mises zu seinem besten Schüler, Murray N. Rothbard, war ein kurzer. Er war deshalb für mich kurz, weil Rothbard eine Frage, die keiner der bisher erwähnten Autoren bisher gestellt hatte, nicht nur stellte, sondern auch beantwortete: wenn Markt und Wettbewerb die treibende Kraft menschlicher Gesellschaften und des ökonomischen Wandels ist, wofür bedarf es dann einer staatlichen Gewalt?
In Rothbards "Ethik der Freiheit", ist der Staat nicht mehr, wie bei Mises, Hayek oder Friedman ein, wenn auch gefährliches, so doch ein notwendiges, Übel. Für Rothbard hat der Staat keine sinnvollen Aufgaben, die er erfüllen soll. Er ist nicht mehr der Garant des Eigentums und der Bereitsteller von Recht und Sicherheit, sondern ureigenster Gegner jeglichen friedfertigen menschlichen Zusammenlebens. Sicherheit und Recht werden selbst zu Gütern, die ein freier Markt zur Verfügung stellen kann.
Sicherlich ist das nicht für alle Liberalen ein zwingender Gedankengang. Für mich war es jedoch logisch. Bei der Lektüre Rothbards hatte ich den Eindruck, der Liberalismus sei endlich dort angekommen, wo er schon immer hingehörte.
Vielleicht ist diese Beschreibung meines liberalen Litaraturwegs ja für den einen oder anderen Leser auf dem Weg zum Liberalismus hilfreich.
Mit besten Grüßen
Michael Kastner
buchausgabe.de

