Buchausgabe
Info Kontakt Impressum Suche Warenkorb
buchausgabe.de - Bücher für den Liberalismus
« Zurück zur Hauptseite

Die Deutschen und der Iran: faktenreich, aber etwas zu politisch

20.11.09

Die Deutschen und der Iran: Matthias KüntzelDie negative Kritik gleich einmal vorweg: Das Buch "Die Deutschen und der Iran" von Matthias Küntzel leidet am üblichen Polit- und Publizistenduktus. Das ist nicht verwunderlich, denn Küntzel gehört wohl einer politisierten Truppe an, die sich selbst als die "Antideutschen" bezeichnet. Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber in Zeiten des Internets findet sich wohl für jedes Grüppchen eine Ecke. Daneben war Küntzel wohl auch bis 1991 Mitglied des Kommunistischen Bundes. Von 1984 bis 1988 war Küntzel wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Grünen.

Das alles steht nicht im Klappentext über den Autor, aber es hätte dort hineingehört. Denn es würde erklären, warum das berechtigte Anliegen des Buches unter einem Müllberg politologischen Jargons und verallgemeinernder Wortwahl vergraben wurde.


Man wird beim Lesen des Buches den Eindruck nicht los, daß es Küntzel auch um eine ideologische Abrechnung mit Deutschland, oder dem, was er auch immer dafür hält, geht. Dieser Eindruck schadet dem Kern des Buches: nämlich dem Aufzeigen der Gefahr, die von einer fanatischen iranischen Führung für Israel und den Westen ausgeht.

Der Titel des Buches ist bereits vollkommen verfehlt: "Die Deutschen und der Iran". Richtig müßte es heißen: "Die deutschen Staaten" und der Iran. Denn das, was Küntzel beschreibt, ist nicht das Verhältnis der deutschen Bevölkerung zum Land Iran, sondern das Verhältnis der jeweiligen deutschen Regierungen zu den jeweiligen Regierungen oder islamistischen Gruppen seit den Zeiten Kaiser Wilhelms II. bis heute.

Obwohl Küntzel an verschiedenen Stellen einräumt, daß etwa die Abkommen, die die deutschen Regierungen z.B. seit 1949 mit den diversen Regimes im Iran getroffen haben, in den seltensten Fällen tatsächlich einer breiteren Öffentlich bekannt waren, schiebt er die Schuld für die Verfehlungen des deutschen Staates auf "Die Deutschen". Er schreibt selbst: "Fragen dieser Art müssen debattiert werden – im Bundestag und in der Öffentlichkeit. Dies geschieht aber nicht. Von einer öffentlichen Debatte über die Prämissen der deutschen Iranpolitik kann keine Rede sein."

Wie kann der Autor "die Deutschen" für etwas verantwortlich machen, von dem sie nichts mitbekommen?

Eigentlich hätte der Autor sich eher selbst an die Nase fassen müssen. Hat er doch selbst mindestens als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Grünen von 1984 bis 1988 für eben jenen Staat gearbeitet, dem er ein grandioses Ausmaß an Verfehlungen vorwirft. An keiner Stelle distanziert sich Küntzel von diesem Staat.

Das ist schade, denn Küntzel bietet eine Unmenge an Quellen und Details auf, die belegen, daß es in der Abfolge der deutschen Staaten eine Kontinuität der Zusammenarbeit der Regierungen beider Staaten gibt. Bezeichnenderweise besteht dieses Fundament nach 1945 in einer geradezu wohlwollenden Sichtweise der verschiedenen iranischen Religions- und/oder Staatsführungen auf die 12 Jahre vor 1945.

Daß sämtliche Staatsführungen, unabhängig von der jeweiligen Parteizugehörigkeit, seit 1945 diese Sichtweise des Iran offensichtlich akzeptiert haben, ist eine Sache. Aber daß die deutschen Staatsführungen und insbesondere die Außen- und Wirtschaftsministerien immer wieder mit Hermes-Bürgschaften dafür gesorgt haben, daß der Iran bei der Entwicklung atomtechnischer Anlagen direkte Förderung durch die staatliche Hand erhält, läßt einen beim Lesen staunend zurück.

Ein besonders interessantes Kapitel bildet der sog. Mykonos-Fall. Hier gelang es einem deutschen Gericht nachzuweisen, daß der am 17. September 1992 verübte Mordanschlag auf iranische Oppositionelle in der Berliner Gaststätte Mykonos tatsächlich von der iranischen Regierung in Auftrag gegeben wurde.

Die Rolle des damaligen Bundeskanzlers Kohl und auch des Außenministeriums als feige zu beschreiben, wäre eine Untertreibung. Noch schlimmer jedoch ist die Rolle der damaligen und jetzt wieder herrschenden Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger: "Wie der damalige Generalbundesanwalt von Stahl in einem Gespräch mit der FAZ enthüllte, habe ihn die seinerzeit amtierende Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger »immer wieder davon abzubringen versucht, die vermutete Verwicklung Teherans in das Attentat öffentlich zu machen. Da aber er und sein Pressesprecher Förster eine solche Verwicklung immer wieder hervorgehoben hätten, sei es wiederholt zu erregten Szenen gekommen. Einmal habe die Justizministerin dem Generalbundesanwalt weitere Verlautbarungen grundsätzlich verbieten wollen; ein anderes Mal habe sie ihn am Telefon angeschrien. Schließlich habe sie verlangt, er möge seinen Pressesprecher entlassen«. Warum deckte Bonn im Herbst 1992 den Staatsterror Irans?"

Das Buch ist gespickt mit Einsichten in einen feigen Regierungsapparat, der eine brutale und fanatische iranische Staatsführung nicht offen unterstützt und deren Verbrechen unter den Teppich kehrt.

Der deutsche Staat, dessen Hermes-Bürgschaften immer wieder dafür sorgen, daß deutsche Unternehmen bevorzugt im Iran aktiv sind, hätte mit der Abschaffung dieses sowieso marktwirtschaftlich fragwürdigen Subventionsinstruments die Möglichkeit, die Nuklearkriegsvorbereitungen des Iran empfindlich zu treffen.

Wie bereits erwähnt, Küntzel hat eine etwas seltsame politische Sicht auf die Sachverhalte, aber die Fakten, die er liefert, sprechen für sich.